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Full text of "Untersuchungen über den Stil der Epen Rother, Nibelungenlied und Gudrun"

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Untersuchungen 



.'f V. 



über den Stil der Epen Rother , 
pelungenlied und Gudrun. 




Inaugural-Dissertation 

zur ErlangUDg der Dootorwürde 

der philosophischen Fakultät zu Kiel 

vorgelegt von 

Julius ^chmedes 

aus Bremen. 



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KIEL 1893. 

Drack von H. Fiencke, 



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Rectoratsjahr 1892/93 
No. 18. 

Imprimatur : 

Dr. C. Bran 

h. t. decant 



Inhalt. 



Seite 

§ I. Vorbemerkungen i 

I. Epitheton statt des pronomens (§ 2 — 13) . ' 2 

A. Zwischen der Umschreibung des pronomens und dem vorher für 
die gleiche person gebrauchten ausdruck steht eine stärkere 

interpunktion (§ 2 — 9) . 2 

§ 2. Vorliebe der dichter für diese ausdrucksweise .... 2 

§ 3. Ihre behandlung in R 3 

§ 4 — 6. Ihre behandlung in N und G 4 

§ 4. Auftreten der erscheinung nach beginn -einer neuen 

Strophe 4 

§ 5, Mehrmalige bezeichnung der gleichen person durch 

epitheta im rahmen einer Strophe 5 

§ 6. Verhalten der vierten langzeilen 6 

§ 7. Epitheton statt des pronomens in dem zweiten von zwei 

parataktischen Sätzen 8 

§ 8. Das epitheton bei einschaltungen in die directe rede . 8 

§ 9. Motive der wähl des umschreibenden ausdrucks ... 10 

B. Eine person ist sowohl im regierenden, wie im abhangigen satz 

durch epitheta bezeichnet (§ 10 — 11) ii 

§ 10. Der übergeordnete satz geht voran ii 

§ II. Der abhängige satz hat die erste stelle 13 

§ 12. Zweimalige bezeichnung derselben persou in einem ein- 
zigen satze 14 

§ 13. Umschreibung des pronomens der I. u. II. person . . 15 

II. Vorangestelltes pronomen (§ 14 — 19) 17 

A. Im ersten gliede einer Satzverbindung steht das pronomen, im 

zweiten eine genauere bezeichnung (§ 14 — 16) 17 

§ 14. Das vorangestellte pronomen steht im regierenden satze 17 

§ 15. Der abhängige satz geht voran 18 

§ 16. Zusammenstellung bemerkenswerter fälle 20 

B. § 17. Vorwegnahme von Satzteilen durch vorangestelltes pron. 21 

C. § 18. Wiederaufnahme eines begriffs unter erweiterung ... 25 

D. § 19. Vergleichbare eigentümlichkeit in der composition . 26 



in. Abgetrennte apposition (§ 20 — 21) 28 

§ 20. Abgetrennte apposition 28 

§ 21. Abgetrenntes attribut. Parenthesen 33 

IV. Variation der aussage (§ 22 — 27). . . . : 34 

§ 22. Allgemeines 34 

§ 23. Die Sätze werden nur teilweise variiert 35 

§ 24. Variation ganzer sätze ' • • . 36 

§ 25. Variation von satzreiben . . - 38 

§ 26. Verschlingung zweier gedanken 39 

§ 27. Verteilung der Variation auf zwei Strophen 41 

V. Das Verhältnis der drei epen und ihrer teile zu den verschiedenen 

Stilmitteln (§ 28—29) 41 

§ 28. Vergleich zwischen R, N und G 41 

§ 29. Zu Lachmanns liedertheorie und MüUenhoffs Gudrunkritik 44 

VI. Die Versionen B* und C des Nibelungenliedes. Beiträge zur text- 

kritik (§ 30—32) 47 

§ 30. Die Version B* 47 

§ 31. Der Nibelunge liet 52 

§ 32. Die mehrstrophen in B* und C 56 









§ I. Eine reihe von jähren ist seit dem crethtinen von 

• • • 

R. H e i n z e 1 s abhandlung über den stil der altgermanischen 
poesie^) verstrichen. Es soll nicht in abrede gestellt -Jverifen, 
dass die ergebnisse seines forschens -gebührende beachtung/Jfre-/ 
funden haben. Wer die seitdem veröffentlichten ausgaben daraufhin 
prüft, wird in einleitungen und commentaren manche bemerkung 
finden, die für die anregende kraft der Heinzelschen schrift zeugt. 
Niemand aber hat sich bisher der doch nahe liegenden aufgäbe 
unterzogen, in einer eigenen Untersuchung die einzelnen Stilmittel, 
durch welche die allitterierende Dichtung wirkte, weiter zu ver- 
folgen. Sind sie mit ihr untergegangen oder zeigen sie sich 
auch in späteren perioden der deutschen dichtung noch lebendig ? 
Ist die frage berechtigt, so bedarf die vorliegende arbeit keiner 
rechtfertigung. Sucht sie doch für eine bestimmte epoche die 
antwort zu geben. Für eine bestimmte epoche und — muss 
ich hinzufügen — nur für einen kleineren teil dessen, was 
uns an poetischen erzeugnissen aus ihr überkommen ist^ für die 
epen Rother, Nibelungenlied und Gudrun. Alle 
drei sind Volksdichtungen, ihr stoflf der altnationalen heldensage 
entnommen: wenn irgendwo, dünkt mich, dürfen wir hier den 
eigentümlichkeiten des alten epischen stils wenigstens in nach- 
klängen zu begegnen hoffen. 

So suche ich denn in den nachstehenden kapiteln festzu- 
stellen, wie weit sich die von H e i n z e 1 festgestellten rhetorisch- 
syntaktischen formen noch in den genannten epen nachweisen 
lassen. Wo ich (wie in § 13) von eigentümlichkeiten handle, die 
von ihm nicht berührt sind, wo ich anderseits (wie in § 21) den 
weg nicht bis ans ende gehen konnte, den seine erörterungen 
vorzeichneten, Hess ich mich durch gründe bestimmen, für die ich 
billigung erhoffen darf. In der anordnung des Stoffes bin ich 



*) Quellen und Forschungen X. Strassburg 1875. 



verschiedentlich von Heinzd abgewichen: mit welchem rechte, 
das zu beurteilen überla'säe ich dem aufmerksamen leser der ab- 
handlung. 

Ich gedachte awiioigs auch die b i 1 d e r und vergleiche 
in den kreis der Untersuchung zu ziehen. Allein bei einem ver- 
gleich zwischen *Vneinen Sammlungen und denen von Groth (im 
Progr. d. Kais. Aug.-Gymn. zu Charlottenburg 1879) ^^^^ ^^^f 
dass dieser forscher die eben nicht zahlreichen stellen aus 
Nib\ '^und Gudr. schon mit verschwindenden ausnahmen vollständig 
^beigebracht hat. Es genügt also wohl die bemerkung, dass die 
Rotherdichtung kaum reichere ausbeute liefert. In dem mangel 
an bildem berühren sich unsere epen durchaus mit der älteren 
deutschen heldendichtung, soweit wir nach deren spärlichen resten 
darüber zu urteilen im stände sind. 



L Epitheton statt des Fronomens. 

A. Zwischen der nmsclireiban^ des pronomens nnd dem vorhergehenden 
ansdrnek für die gleiche person steht eine stärkere interpnnktion. 

§ 2. Wenn die dichter der drei volksepen, mit denen 
sich diese Untersuchung beschäftigt, in zahlreichen fallen eine 
person, zu deren unzweideutiger bezeichnung ein Personalpronomen 
ausreichen würde, lieber durch eink räftigeres und ausdrucks- 
volleres beiwort gewissermassen neu einführen, so kann 
uns das nicht immer auffallen. Auch der poet unserer tage wird 
aus leicht ersichtlichen gründen, wenn von derselben person durch 
einen längeren abschnitt hin die rede ist, von zeit zu zeit statt 
des an sich ausreichenden pronomens irgend einen umschreibenden 
ausdruck verwenden. Doch wird er darin schwerlich je soweit 
gehen, wie jene mhd. dichter. 

Wie sehr diese eine solche gehobene ausdrucksweise liebten, 
mögen ein paar besonders charakteristische stellen zeigen. In 
der Schilderung von Siegfrieds letzten augenblicken Nib. 924 ff^) 
heisst Siegfried 924^ der hirre, 924* der fürste, 925^ 
dir sere wunde, 926* der vil herliche gast, 927* der wunde, 929^ 



^) Ich eitlere nach Lachmanns ausgäbe. 



— s — 

der Krienihilde man, 930' der verchwunde ; 932* erscheint er als 
der helt gemeity 933^ abermals als der verchwunde; 935^ heisst 
er wieder hir Szfrit, 937^ der verchwunde man, 939"^ der recke 
kUene unde gemeit und 940^ der helt. Ferner Nib. 1873 ff» 
Dancwarts knechte sind alle erschlagen, man sieht ihn noch 
ganz allein bei den feinden stehn. 1874^ wird er als Dancwart 
der degeuy^ 1876^ als Aldriänes kint wieder eingeführt, dann nennt 
er sich selbst 1876^ einen sturmmiieden man; schon im folgenden 
verse erscheint er als der recke j 1877' ist er der stntemüede, 
1^1^^ der von Burgonden lant und 1878^ hören wir zum überfluss 
noch einmal seinen namen. 

Es ist bei der grossen zahl der stellen, an denen uns die 
in rede stehende ausdrucksweise begegnet, unumgänglich notwendig, 
die belege nach gewissen gesichtspunkten in verschiedene klassen 
zu sondern. 

§ 3. Am wenigsten fallt die setzung eines epithetons statt 
des pronomens da auf, wo auch wir uns allenfalls gleicher aus- 
drucksweise bedienen könnten: wenn nämlich der dichter nach 
einer stärkeren interpunktion die person, von der vorher die 
rede war, im neuen satze durch eine neue ausdrückliche be- 
zeichnung schärfer hervorhebt. Wenn es z. b. Roth. 146 flf. 
heisst : 

sie wären dem kuninge alle holt, 

daz machete silber unde golt, 

daz er in kunincUche gap, 

sie würben des herren bodescap,^^ 

so erscheinen sowohl dem kuninge (nach dem, was vorher- 
gegangen ist), wie des herren als überflüssig deutliche ausdrücke 
fiir im und stne. Erforderlich ist die umständliche bezeichnung 
nicht : aber wem würde wohl einfallen, bei der Übersetzung 
dafür die pronomina einzusetzen ? Roth. 2039 fF. berichtet H ^ r 1 i n t 
ihrer Herrin von dem empfange, der ihr von Dietrich bereitet 
worden ; da heisst dieser 2049 der helit got, 2054 der hellt lossam ^ 
2057 DiitherUh der de%in\ an allen drei stellen würde ein blosses 
er dem verständniss keinerlei Schwierigkeiten bieten. 
Roth. 2843. zd ime nan her sine man, 



^) Ich eitlere stets nach der aiisgabe yon Bahder's. 



— 4 — 

swaz ir ober mere quam, 
den künin her sagete, 
wes her willin habete, 
die türin wtgande 
hugitin dd zd lande. 
Die ausdrücke den künin und die türin wtgande Hessen sich ohne 
Schädigung der klarheit durch die entsprechenden pronomina ersetzen. 
Man sehe femer Roth. 773. 1820. 1922. 1937. 1950. 1954. 
2089. 2321. 2734. 2930. 3181. 3890. 4521. 4651 f. 4715. 
Das sind einige bemerkenswertere stellen: hier ein vollständiges 
Verzeichnis zu geben, scheint unnötig, ja mit rücksicht auf die 
grosse zahl der belege unzweckmässig. Auch in den zunächst 
folgenden erörterungen (bis § 6) ist deshalb Vollständigkeit der 
belege nicht angestrebt. 

§ 4. Mehr noch als im R o t h e r zeigt sich die beliebtheit 
dieser ausdrucksweise in den beiden andern epen. Überaus oft 
bedienen sich die dichter ihrer in der absieht, die schon aus- 
drücklich bezeichnete person in einer neuen Strophe aufs neue 
hervorzuheben. Wenige beispiele — mehrere sind schon oben 
§ 2 aus dem Nibelungenliede gegeben — werden auch hier 
genügen. N. 364* heisst Siegfried der degen rtche^ eben 
vorher der vil kiiene, 

N. 670^ »Wie mbhten wir si bringen a^, sprach der künic rieh: 
im letzten verse der vorhergehenden Strophe war der künic rieh 
noch ganz ausdrücklich der herre genannt worden. N. 1387^ 
nennt der böte Swemlin Kriemhilde des küneges wip, ob- 
schon er sie im vorhergehenden verse unzweideutig als iuwer 
edele swester bezeichnet hat. 

N. 1735* ^^^ umbe sol man Hagnen der eren billichefi Jehen. 

1736^ Dannoch 7ifas der recke siner järe ein kint. 
N. 2242^ dd werte sich der alte. 

2243^ Der Dietriches recke sluog ein wäfen breit. 
G. 139* daz imderstuont Hagcne lobelzche. 

140^ Dd sprach zuo den gesten der w cetltche man. 
G. 357* des ersmielte Wate versmähliche. 

358^ Do sprach der helt von Stürmen. 
G. 1303* si ilten ir alle dienen. 

1304* Do wart gebadet schSfie diu herliche meit. 



Vgl. N. 22^. 291*. 375^. 665^ 1371^ 1504*. 1724*. 1836*. 
2o73\ 2074^ 2112^ 2113^ G. 13^ 14'. 363^ 549^ 655^ 
775^~2 822'. 996^. 1090^ 1297^. 1387^. 1643^. 

Dass nicht alle solche stellen gleich auffällig sind, versteht 
sich bei ihrer grossen anzahl — mehr als 700 in N. und G. — 
von selbst. Immerhin Hessen sich den citierten noch genug 
hinzufügen, die nicht minder bemerkenswert sind. 

§ 5. Stärker tritt die Vorliebe unserer dichter für malerische 
und pathetische ausdrücke da hervor, wo im rahmen einer einzigen 
Strophe dieselbe person zweimal oder gar noch öfter durch ein 
epitheton bezeichnet wird. So hören wir N 2 1^ von Siegfried: 
stark unde tncere wart sit der kilene man : im ersten verse derselben 
Strophe war er schon als de^en recht nachdrücklich gekennzeichnet. 

N. 289^ J?o giengens wiries mägen da man den helt vant: 
si sprächen zuo dem recken üzer Niderlant, 

N 432^ Stfride dem küenen von munde brast daz bluot, 

vil balde spranc e r widere : dö nam der helt guot etc. 
ähnlich erscheint N. 1466^"'^ Ha gen dreimal: von Tronje Hdgne 
— er — der degen kiiene. N. 1905^^2 ^f ^qH i^on Rtne — der 
fürste selbe, 

N 2\^2^ ,Daz wolde got der riciu' , sprach dö Rüedegir, 

,daz tu diu margrävinne noch solle geben mir! 
diu mcere sag ich gerne der triutinne mtn.^ 

G 503 Hagene in grozem zome spranc uz in die vltfot, 
der degen üz er körne zuo dem stade ivuot. 
dö sach man üf den recken sam snewes vlocken swinde 
geschiezen da mit phtlen, 

G 935^ Vofi der vrouwen weinen trehenen dd began 

He rwic der ede le. dd sprach der junge man. 

G \oi 2^ Hartmuot hiez im zeigen die triutinne sin. 

an der edelen vrouwen was worden schtn etc. 

G 12^1^ Er umbesloz mit armen die hir liehen meit. 

^ er kustey inweiz wie ofte^ die küni ginne riche. 

G 1478 Schiere kam Ortrün, von Ormante Uxnt 
diu junge kUniginne, mit 7inndender hant 
ze vroun Küdrünen. diu junge maget hire 
viel ir viir die vüeze. 



— 6 — 

Mari vergleiche noch N. 42 4^ 585^. 700^. 89 1^ 950*. 

lOIO^ 1249^ 1734^ 2002^ 2l66^ 2243^. G. 197^. 210^ 

4ii2. ^882 55o2 ^^^2 ^5,2 JJ862. 13642. 15122. 

§ 6. Besondere beachtung verdient das überaus häufige 
auftreten dieser stilistischen erschein ung in der vierten lang- 
zeile: in diesem streben, die wichtige persönlichkeit, ehe die 
Strophe schliesst, noch einmal kräftig hervorzuheben, treffen die 
dichter des Nibelungenliedes und der Gudrun zusammen. 
Etwas ähnliches lässt sich aber auch schon im R o t h e r vielfach 
wahrnehmen : auch hier nämlich wird die person gern noch ein- 
mal in den letzten versen eines abschnittes der erzählung hervor- 
gehoben, so beispielsweise 773. 826. 1879. 1964. 2099. 2232. 
2734. 2847. 2889. 2965. 3106. 3435. 3832. Freilich auch 
schon aus formellen gründen musste sich die Verwendung dieses 
Stilmittels den dichtem von N. und G. in dem längeren schluss- 
verse der Strophen empfehlen, da es oft zugleich bequeme gelegenheit 
bot, den erfordernissen des metrums ohne flickwörter zu genügen. 
In sehr vielen fällen nun ist die so hervorgehobene person 
in derselben Strophe bereits früher durch ein anderes epitheton 
bezeichnet oder mit namen genannt, so z. b. 
N 61^ Do vemam ouch disiu mcßre stn muoter Siglint. 

^ diu edel küniginne vil sire weinen began. 
N 585^ dd gie der degen kii'eney däerdie vrouwen vant. 
^ die vil minnecltchen der hell mit armen umbesloz, 
N 881^ des gejeides meiste r bestuont in üf der sld. 

daz swtn zomecBchen lief an den küenen degen sä, 
N11292 ez sollen immer dienen dise degene, 

daz uns der ma rkgräve zuo liebe hat getan: 
des solle Ion enphähen der schoenen G öle linde man. 
N 2089^ den edeln mar cgräv en unmuotes man dd sack: 
der V il getriwe recke harte jcemerkUche sprach. 
G 340^ Dd hiez man Waten den alten zuo der meide gän. 

^ Waten hin engegene mit zühtengie diu junge küniginn e. 
G 849. Die vil edele gtsel von Hegelinge lant 
die hete man gewiset üf den wilden sant. 
die mäze und si da mohten sach man si gebären, 
die minnecliche meide bi den vinden harte trurec 

wären. 



— 7 — 

G 1174* Oriwin unde Her wie die sint wol gesunt 
die sack ich in den finden üf des meres müoder. 
die eilenthaften degene zugen vil geUche an einem 

ruoder. 
Aus der beträchtlichen reihe der belegsteilen seien noch 
hervorgehoben die Schlusszeilen der Strophen N 288. 334. 384. 
575. 697. 831. 863. 1059. 1117. 1340. 1393. 1639. 
1738. 1780. 1806. 1912. 2205. 2217.2302; G 157.385.426. 
482. 557. 660. 664. 766. 884. 958. 1220. 1242. 1316. 1354* 
♦1361. 1422. 1502. 1510. 1655. 

Oft genug kommt es aber auch vor, dass im schlüssverse 
der Strophe in dieser weise eine person hervorgehoben wird, zu 
deren bezeichnung in den früheren versen dem dichter das fiir- 
wort völlig genügend erschienen war, wie N 49* der edel Sifrit\ 
vorher im — er — er — im, 

N 348 Friuntltche blicke und güeütchen sehen, 

des mohte von in beiden harte vil geschehen, 
er tmoc si in dem herzen^ si was im so der Itp. 
Sit wart diu schosne Kriemhilt des kiienen 

Stfrides wip. 
N 818^ sd lobet er iu dar dienen: des fltuset er den Up: 

so ervare ich uns diu mcere an des küenen reken wtp. 
An beiden stellen würde die darstellung auch ohne den um- 
schreibenden ausdruck klar genug sein. Immerhin aber gewinnt 
wenigstens die zuerst angeführte dadurch an deutlichkeit, und das 
mag nebenher den dichter bestimmt haben. In der regel aber 
boten lediglich die freude an den malerischen ausdrücken selbst 
und das streben, des hörers interesse für die gestalten der dichtung 
neu anzufachen, den anlass zu solchen Umschreibungen. 
Aus der Gudrun gebe ich folgenden beleg: 
G 960 Dem künic Ludewige tele diu rede wi. 

er vienc s i bt dem häre, er warf si üf den si, 
Hartmuot der küene wie balde er daz werte, 
daz er die maget edele von den starken ünden vor 

im nertel 
Es sei noch verwiesen auf die schlüssverse von N 98. 292. 
387. 473. 837. 918. 1204. 1339. 1503. 1882. 1975. 2024. 
2301; G 303. 378. 453. 594. 654 (?). 757. 1018. 1081. 1143. 1204. 



— 8 — 

§ 7. N 17502-* heisst es: 

dd schancte man den gesten 

in wtten goldes schallen mete mdraz unde win^ 

und bat die eilenden groze willekomen sin. 

Der dichter umschreibt hier also im schlussverse das pronomen, 
ohne dass der satz von dem vorhergehenden durch eine stärkere 
interpunction geschieden wäre. Das ist nun freilich auffällig genug, 
immerhin aber, da beide sätze gleiches ranges sind, kaum auf- 
falliger, als z. b. N 191 2* vriunt, neri mir den bruoder: wir 
Verliesen den de gen, und zahlreiche andere stellen, wo die in 
betracht kommenden sätze durch kolon oder punkt getrennt sind. 

Ähnliche stellen, wie die oben angeführte, sind R 4272 f; N 
762-3. 91I-2. 1312-3. i8i3. 3892-3. 3934 4661-2. 570I. 6752-3. 

15923-4. 1814I-2. i87i3~4. 18862-3. 2079I-2. G 495^"^. 95 1^"^- 
16462-3. 

Ich bemerke zu den vorstehenden citaten, dass sie anspnich 
auf Vollständigkeit erheben. Dasselbe gilt von den beispiel- 
sammlungen zu den nunmehr zu besprechenden erscheinungen. 

§ 8. Besonderer hervorhebung wert ist folgende eigentümlich- 
keit, die sich am häufigsten im Nibelungenlied e zeigt : mitten 
im verlauf directer rede wird der sprechende, der schon im ein- 
gang genannt war, vom dichter durch ein eingeschobenes sprach^ 
antwurte u. dgl. in Verbindung mit einem epitheton oder auch 
dem namen dem hörer ins gedächtnis zurückgerufen, Ähnliches 
begegnet auch am Schlüsse der reden vielfach *). Bei längeren 
reden ist ein solcher zusatz oft nicht übel angebracht; aber er 
findet sich auch bei ganz kurzen äusserungen. 



*) Vgl. Jänicke zu Biterolf 10625, wo indes einige irrtümer in 
den citaten zu berichtigen sind: N 125* und 1161* sind zu streichen, 1051* 
ist zu corrigiren in 1051*. Falsch ist auch Ja nick es bemerkung über das 
20. Lachmannsche lied, denn ausser den von ihm gegebenen stellen sind noch 
zu notieren 2130'. 2131^. 2283*. S. ferner Vogt, Salman und Morolf p. 
CXLU; Behaghel, Eneide p. CXXXIV f; Lichtenstein, Eilhart von 
Oberge CLXXII; — Das bemerkenswerte ist, dass auch an den stellen, 
die die genannten^ citieren, fast durchweg nicht das pronomen, sondern ein 
umschreibender ausdruck von neuem auf die redende person hinweist. 



^ 9 — 

Der R o t h e r bietet nun einige nicht besonders merk- 
würdige belege : 2900 fF. sie sprach — sus sprach die göte huningin, 
3933 ff. findet sich eine 2 1 verse umfassende rede Berchters, 
die eingeleitet ist mit den worten do sprach der herzöge von Merän 
und abschliesst sprach der herzöge von Merän. 

3973. do sprach der koninc rtche 
harde wiscliche: 
nun folgen seine worte und am Schlüsse heisst es: 

3984. sprach Rüther , der guode knechi, 

4397. ,entrouwin' sprach Aspriän , 

,ir läzit etc. (eine rede von 23 versen, dann:) 

4420. nü scdnit des aldin Mrren' 

sprach der riese Aspriän^ 
jdaz dunkit mich gdt getan', 

N 141^ Der künec si gruozte schone ^ er sprach ysit willekomen, 
wer iuch her habe gesendet, desn hän ich niht vernomen, 
daz sult ir läzen hceren' , sprach der kUnic guot. 

N 590* dd sprach der riier edele\ jdaz luurde iu iibele 

bewant, 
ouch het icJis wenic ere', sprach der edel man. 
ydurch iwer fugende lät zuo ziu mich nu gän. 

N 1223. Do sprach zer küniginne de r marcgräve Ekewart 
,stt daz ich aller erste iwer gesinde wart^ 
so hän ich iu mit triuwen gedienef , sprach der degcn, 
,und wil unz an min ende des selben immer bi iu pflegen.' 

G 409. Er sprach ,wir wellen hinnen urloubes gern. 

so sult ir Hagenen biten, daz er iuch müeze gewern, 
junge maget edele : er und iuwer muoter 
sol unser kiek schouwen und ir selbe' sprach der 

de^en guot er. 
G 1166^ Kudrün do sprach 

,owi vogel schcene, du erbarmest mir so sere, 
daz du so vil gevliuzest üf diseme vluote' sprach diu 

maget here. 
G 1215. Do sprach diu vrouwe Kudrün ,so diuhte ich 

mich geschant, 
stt ich ein maget Juize und ir mich habet gemant 



lO 

durch aller magede ire, des müezet ir geniezen' 
sprach diu vrouwe here, ,swie des müezen mtniu 

ougen riezenJ 
Sonst finden sich derartige einschaltungen noch N 58*. 
87^ u. loo^ 149^ 150*. 467*. 483^ 774^ 784^ 835^ u. 837*. 
875*. 1051^ 1059^ 1176*. 1337^ 1381*. 1577^- 1614'. 1948*. 
2264"^. 2283^; G 657^ 904^ 1131^ 1271^ 1375^. 1380^. 
1388*. 1481^ Nicht ebenso auflallig N 937^. 1149*. 1184^ 
1490^. 1821^. 1847^ 2130^ u. 2131^. 2257^; G 1624'. 

§ 9. Es ist schon gelegentlich darauf hingewiesen, dass 
wol nur vereinzelt und nebenbei das streben nach deutlichkeit 
den dichter veranlasste, den umschreibenden ausdruck vorzuziehen. 
Die berechtigung dieser annähme mögen noch einige stellen, ich 
hoffe, zur evidenz darthun. 

N 1598^ Er enphie auch Danewarten, dd sprach der küene degen: 

dass der küene degen eben Dancwart ist, zeigt der inhalt seiner 
fede ; an sich könnte der ausdruck ebenso gut auf fr d. h. 
Rüedeg^r bezogen werden. N 1674* bleibt es überhaupt 
unentschieden, ob der hell von Burgonden Dancwart oder 
Günther sein soll. N 1688* erfahren wir wieder erst aus dem 
folgenden verse, dass der recke vil gemeit nicht Hagen, sondern 
Dietrich ist. N 2232' bleibt es dahingestellt, ob von Giselhe r 
oder W o 1 f h a r t die rede ist. 

G 451^ der hell was vil grimme: dass Hagen und nicht, 
was von vornherein näher läge, Wate geraeint ist, zeigt erst die 
erwähnung der girstange im folgenden. Ähnliches findet sich 
noch oft genug *). Zum vorteil des Verständnisses würden 
wir in solchen fällen manchmal ein pronomen wie dieser, 
jener oder sonstige pronominale ausdrücke vorziehen. Allerdings 
möchte die darstellung dabei leicht an kraft und fülle einbüssen, 
was sie an deutlichkeit gewönne. 



*) Dazu stimmt, dass an nicht wenigen stellen ein pronomen in seiner 
beziehung so undeutlich ist, dass statt seiner ein umschreibender ausdruck 
oder der eigenname im interesse der klarheit recht erwünscht wäre. Man sehe 
z. b. N 167». 1902-«. 189*-«. 1998. 257 f. Vgl. Pasch, Zs. f. d. Gymn. 
1864, s. 90. 



— II — 

B. Eine person ist sowohl im regierenden, wie im abhängigen satz 

durch epitheta bezeichnet. 

§ lo. Wir sahen, dass in der mehrzahl der behandelten 
falle das epitheton zwar unnötig, aber nicht anstössig war. Wenn 
dagegen, wie es gar nicht selten der fall ist, unsere dichter eine 
person sowohl im hauptsatze oder übergeordneten nebensatze, wie 
in einem davon abhängigen satze durch ein epitheton oder den 
namen bezeichnen, so ist das eine eigentiimlichkeit, die unserem 
sprachgebrauche im allgemeinen entschieden zuwiderläuft.^) 

Die belege für diese erscheinung lassen sich nach dem bau 
der periode in zwei gruppen sondern. Die erste umfasst die- 
jenigen^ bei denen der übergeordnete satz vorangeht: die eigen- 
tümlichkeit liegt hier in der Verwendung des umschreibenden aus- 
drucks im nachfolgenden abhängigen satze. 

R 712 wol untfenc der kuninc riche 

di riesin al geliche 

unde tnanigen vromen niariy 

der zö stme hofe quam, 

unde sagete in allen sine not, 

die dar hette der helid go t. 

der helid got ist kein anderer als R o t h e r , der kuninc ruhe, und 

einfaches er würde nicht nur ausreichen, sondern sogar deutlicher 

sein. Stellen gleicher art d. h. mit dem überflüssigen umschreibenden 

ausdruck im relativsatze, sind N 335 ^~^ 491^-^. 728^"^ 788*"'. 

1634'""*; G 1497^""*. Ähnlich, doch im abhängigkeitsverhältnis 

der Sätze etwas verschieden, ist auch N 1273^"*, womit man 

vergleiche R 779 — 784; G 1630^-^ Auch N 1319^-^ gehört 

hierher, gegen die Überlieferung in A B. 

R 1 8 1 5 (Constantm) hiez nä siner to chter gän, 

daz die magit schone 
scMre zo dische quäme. 

So findet sich das epitheton statt des pronomens in dass- 

sätzen verschiedener art noch Öfters, z. b. 

N 1060^ Nu ist ez Stfride leider übel körnen , 

daz uns die tamkappen der hell hete benonmi. 



*) Ganz fremd ist sie ihm keineswegs: vgl. was Andresen, Sprach 
gebr. u. Sprachrichtigkeit, 4. aufläge, s. 264 ff. darüber sagt. 



12 



N 1838* mir habent iwer mäge der leide niht getan, 

daz ich die degene küene mit strite welle bestän. 
N 2062* Der eilenden huote hete wol ersehen, 
daz noch die geste lebten. 
Es ist femer zu verweisen auf R 5062 — 5065 ; Nib. 102**"*. 
288«-^ 500I-». 841*-». io82*-3. 1198!-^ 1264.1588»-*. 

1978^-«; G 53'-*. 362^-*. 534'-'. 762*-^ 10832-». 1438*-*. 
1665'*. Eine Sonderstellung nehmen folgende beiden mit ein- 
ander zu vergleichenden belege ein: 

G 755* daz er die mag et bcete, da von versuchte er daz, 
daz er an urliuge ze lande wolle bringen 
die schcenen juncvrouwen, 
G 1472^ Dd lief ein ungetriuwer, 

daz er beswärte sere der schosnen vrouwen muot, 
da bt einander säzen diu k int von Hegelingen, 
Aus Rother ist noch anzuführen : 

5004 (Rdthere) zdch Pipptnin , 
den lieven sone stnin, 
mit grdzin iri?i, daz is war, 
vier unde zwenzic jär, 
bit der türlicher degen 
gerne S7uert wolde nemen. 
Damit vergleiche man N 178*"^; G 6o2*~^ — 

N 203* Man hört da lüte erhellen den hei den an der hojit 
diu vil scharpfen ^vä/en, dd die von Niderlant 
drungen ndch ir harren. 
Gleichartige falle finden sich N 637^. 640^*"*. 1568*"^. — 

N 350* Xikh den hergesellen wart böte sä gesant, 
ob si ic'olden schomoen ntiuez ir getuant, 
ob ez den helden wtere ze kurz oder ze lanc. 
Vgl. N 1147*"*; O 1152«-».- 
N 634* Des cdelen wirtes mäge, als ez der kiinec gebot, 
gäben durch sin ere kleider und golt rot. 

So mit einschachtelung des nebensatzes auch N 1177*"^. — 

N 078* Sifrides schulde in tcären niht geseit, 

durch zraz der edel reche 7Yrlos da sinen lip, 
N 1660' si giengcn zuv den gesten, da man die helde vani^ 



— 13 — 

Vgl. N 1290^-*. 2092^-^ 2242*-^; G 17*-* >), 150*-*. 
' Auch G 537 ^""^ lässt sich hierher ziehen. 

N 2080* y^ wcßr ich den gesten von grözen schulden gehaz, 
und allez daz ich mähte, daz het ich in getan, 
niwan daz ich die recken her geßUret hän. 
N 2144^ Die zwene stuonden hoher, Volkir und Hagene , 

wan ez im e gelobten die zw ine degene, 
G 784* wol driu tüsent manne 

kdmen dar mit zome, swie die küenen recken schieden 

dannen, 
G 1518* noch suochte Wate der alte die widerwarten stn, 
wä er vinden solle die übelen Girlinden. 
§ II. Der zweiten jener beiden im vorigen § erwähnten 
gnippen gehören alle stellen an, wo der abhängige satz voran- 
geht: wollten wir sie nach unserm Sprachgebrauch umgestalten, 
so wäre hier unbedingt der umschreibende ausdruck im regierenden 
satze preiszugeben. 

Gleich das erste beispiel, das aus R o t h e r beizubringen 
ist, stellt einen gar nicht selten vorkommenden typus dar: 
R 550 dodihirren vimämen 
die starken nümäre, 

da hdrde man manigin vromen man 
vromicliche rede hän. 
Ganz von derselben art sind die stellen N 398^""^. 484'""*. 
500*. 57o^~*. 923* — 924*. 1117^-"^ 1247^""^ 1323^"*. 1495^"*. 
1708»-^ 1917*-^ 2285^-^ G447>-^ SOG»-«. 677»-^ 851' 8. 

1467^-^. Ähnlich femer N 206. 1238*-^ 1661^-«. 1845^-^ 
1918I-». 222i>~». 2271«-*; G 416^-2 1658^-^ — 
R 2954 die Rother gehiezen 

trouwen, biz hi quime, 
die wertin die kröne 
deme riehen erveld san man. 
Vgl. N I456^ 

R 3660 Alse die helede gute 
di€ säf gerütnöten, 



*) Das überlieferte >bt recken* hat Bartsch gewiss richtig gebessert: 
»bt dem recken«. 



— 14 — 

do zugen die Rothere s man, 
under die boume lossam. 

Hier könnte man versucht sein^ die Rdtheres man für ganz 
neu auftretende gestalten zu halten, während sie doch thatsächlich 
mit den guten helden in v. 3660 identisch sind. (Ähnlich ver- 
hält es sich übrigens mit der oben § 10 citierten stelle N 203^""'). 
Vgl. R 2233 f. 3880—3882. 4177— 4179; N 417*""^- 2307^-*. 

N 314^ — daz die reken edele fiirbaz beiuarn 
vientltchez rtten her in iwer lant, 
des lät iu geben Sicherheit beider herren hant, 
N 374^ swenne 7mr noch Mute für Prilnhilde gän, 

so milezen wir mit sorgen vor der kUniginne stän. 
N 1098^ was si des reken wip, 

so was wol also tiuwer des edelen fürsten lip. 
Ähnlicher art ist G 992*"^. 
N 12 18* ob ez min vrowe Kriemhilt allez möhte hän^ 
swaz sin ie wart gefüeret von Niblun^e lant, 
sin solte li'izel r Heren min oder der kiiniginne hani. 

Vgl. N 2239^"^; G 317^""^. Etwas verschieden ist 
G 1441^ ob min vrou Küdrun ditze hat gesehen, 

^ si tuot mir iteivize, so ich bt miner vrouwen lige 

nähen ^). 
N 1552' Swie bitterlichen Hagne zuo Gelfräte spranc, 

der edele marcgräve des schiltes hin im stvanc 
ein vil michel stucke. 
G 293 Der stat rihtcere von der burc ze Baljän, 

durch daz er die geste sd riche da geivan, 
mit sinen burgceren reit er, da si zninden 
die spcehe koufliute. 

§ 12. Hier und da ist in ein und demselben satze die 
person zweimal durch epitheton oder namen bezeichnet, so 

N 1735" ^<!? ^^ ^^^^ ^^ Etzel vähten manegen wie 
ze eren dem kUnige, 
oder G 818^ do sprach zuo dem kUnege ein des recken man. 



*) Uebrigens ist das beispiel wegen der Wiederholung des ausdrucks 
»min vrouwe« nicht eben zu rühmen. Vgl. G. 937*"*. 1430^—'. 



— IS — 

Solche stellen sind zwar selten, zeigen aber in charakteristischer 
weise, wie weit die dichter in ihrer Vorliebe für den umschreiben- 
den ausdruck zu gehen wagten. Man sehe noch N 1436'"*"*; G 572^""^ 
(vgl. Martins anmerkung dazu). 698^"^. 717^""^ 1461*. 

Bisweilen ist ein epitheton verwendet, wo nicht einmal ein 
pronomen am platze wäre. Häufig sind auch diese falle eben 
nicht und fast alle von derselben art, wie 

N 352^ dö hiez ir juficvrouwen dtizec meide gän 

üz ir kemenäten diu schcene künigin. 
N 168^ unz daz er Liudgast stner küenen man 

zweinzec tüsent degne ze stner reise gewan. 
Die Zusätze meide und degne sind nicht nur überflüssig : sie stören 
geradezu. Vgl. femer N 95 ^ i6o^~*. 449^"^. 470^"^ 553*- 
642^ 752*"^. 1227*. 1412^ 1744^ 1815^ 1873^. 1906^; G 282^ 

455^- 1437*^. 

Anderer art ist die vereinzelt dastehende stelle N 723^"^ 

Da keime si dö liezen Sifrides kindelin 
und sun den Kriemhilde, 
wo wir unserem Sprachgebrauch gemäss unbedingt auf zwei ver- 
schiedene kinder schliessen müssten. ^) 

§ 13. Der erwähnung wert ist die Umschreibung des pro- 
nomens der ersten person durch den namen des redenden oder 
einen anderen ausdruck ^). So sagt Constantin: 
R. 3888 wol dich, irüt tochier mtn, 

nü vrouwit sich der vatir din. 
N 160^ iu sol mit triwen dienen immer Sifrides hant Q=icH). 
N 249^ wir geben michel guot, 

daz ir gencediclichen an iwren vi enden (= uns) tuot, 
N 1676^ man grüezet sunderUchen die künege und ir man (= uns) . 
G 797* sollest du daz wizzen^ daz man die tohter din (= mich) 
gewalHdzchen imeret uz dinem lande. 



^) Parallelen lassen sich aus der antiken litteratur beibringen : vgl. £ur. 
Iph. Aulid. II 53 u. 1454; Plaut. Trin. iii. 

*) J. Grimm, Ueber den Personenwechsel in der rede, Kl. Schriften 
III, s. 241 ff., bes. s. 245. Heinzel bat diese stilistische eigentümlichkeit 
nicht besprochen, sie ist aber, wie Grimm a. a. o. s. 246 darthut, alt- 
germanisch und für den kindlich naiven ton der volkspoesie charakteristisch 
genug. 



— i6 — 

G 997* iedoch hat nuner tnuoter vil selten ir tohter {=iicK) geschürt 

die hrende. 

So findet sich femer statt ich N 702* u. 827* diu Stfrides hont, 
N 12 13* Hagne, N 1406* Rumoltj N 2100* der Rüede^eres Up^ G 
1030* daz Hagenen k'ünne\ statt/«/« N 120^^ Rüedigeres, N 1409* 
RumoldeSf N 1796' Hagnen, an diesen drei stellen immer in Ver- 
bindung mit räty G 1171* der armen Küdrunen; statt mir N816* 
Hagtun^ N 1020* dinem bruoder Giselhere, N 1020* KriemhUde^ 
N 1839^* Dietriches hant, N 2095* Etzelen\ statt wir steht G 11 28* 
unser vrauwen A^r; »statt unser G 1462* stner vriunde; statt uns 
N 1821* und 1896* den Burganden, N 1825* des künic Gunihires 
man. 

Auch ein du oder ir der anrede kann in dieser weise ver- 
treten werden*); so z. b. 

N 1801* su*az man uns hie täte wir soldenz Etzelen (= dii^ sagen. 

So kann es uns auch nicht wunder nehmen, wenn G 689* Hetel 
zu Gudrun sagt: so mac min tohter unser helfe prtsen^. 
Ähnlich N 250* mine tiende = ir^ 487* iht der Friinhilde wät 
= iht der iuweren wät, 657* den Sifrides mägen =^ iu^ 826' der 
künec und sine man = ir, 1728 diu vrowe Kriemhilt = ir, i960* 
Ezel = ir; G 964* Ludewic der vater min = ir, 1036* den 
Hartmuotes man = den iuwern man^)^ 1147* der guoten ritter 
kiinne = iu, 1340^ Ortivin und sine degene = ir und iutver 
degene. 



^) J. Grimm, a. a. o. 248 f. 

') Martin bemerkt dazu in seiner ausgäbe : «die rede geht unver- 
merkt aus der anrede über in eine ganz, allgemeine ausdrucksweise. Kann 
Hetel vergessen, das« seine tochter vor ihm sieht ? c So ^-ie die stelle über- 
liefert ist, befremdet sie allerdings. Wie aber, wenn ursprunglich statt i r 
>bruoder< im vorletzten halbvers der Strophe »dtn bruoderc dagestanden 
hätte und die überlieferte lesart auf einen Schreiber zurückginge, der nicht 
recht auf den Zusammenhang achtete und unter einfluss des »mtn tohter« 
das pronomen der 3. person einsetzte? 

') Vgl. aber \V i 1 m a n n s , die entwickelung der Kudrundichtun^, 
s. 6 anm. 



— 17 — 

n. YoraDgestelltes Pronomen. 

A. Die genauere bezeiehnnng einer person, die im ersten gliede eines 
zusammengesetzten satzes dareh ein pronomen bezeichnet ist, wird 

nachträglich gegeben. 

§ 14. Wir sahen oben, wie unsere dichter oftmals eine 
person durch das pronomen und erst am schluss der Strophe 
durch epitheton oder namen ausführlicher bezeichnen. Analoges 
begegnet vielfach im Satzgefüge. Wenn es z. b. R. *i44f heisst : 

eilf gräven ime dd swauren, 

daz sie erme herren umbe die maget voren^ 

so stimmt das keineswegs zu unserm sprachgebrauche. Wir 
müssten unbedingt den umschreibenden ausdruck zuerst, dann 
das pronomen setzen. Unter den zahlreichen stellen ähnlichen 
Charakters giebt es freilich auch manche, die weniger anstoss 
erregt, so dass der umschreibende ausdruck zur not im nhd. ruhig 
beibehalten werden könnte. 

Auch hier sondere ich die belege, wie in § 10 f, in zwei 
gruppen und führe zuerst die fälle auf, in denen der überge- 
ordnete satz ein pronomen, der nachfolgende abhängige satz 
epitheton oder namen bietet. 

R 1751 wir irläzin in des gerichiis, 
1753 ^ ^^^ tüvil kutne her zo haue, 
vgl. R 3922—3925. 

R 1930 den hettich sichirltche 
vorholne gern gesin, 
unde mochtiz mit gevoge gesehen 
umbe den tuginthaftin man, 

R 2245 ^^'' "^^^ ^^^ ^^ genidich unde goty 

allin have mic nü viririven der hellt göt, 

R 4064 wir sulin ime hüte geldin, 

daz der tugenthafter man 
van deme armöte unsich nam. 

So findet sich das epitheton statt des pronomens in dass- 
sätzen meist consecutiver art noch N9i^627^~'*. 973 *~^. 1 03 5 ^^^. 
1163'"'*. i202*-^ 1365^-.* 1492^-^ 1501*-^ 1984^-^ 2144^-*. 
22oo«-8; Q i46«-3. 285»-«. 612^-». 682^-2. 991^-^ 10038-*. 



— iS — 

1293^^'*. 1446*""^ Im abhängigkeitsverhältnis der sätze weichen 
etwas ab die stellen N 1983*"^; G 1665^ ^ 

N 44^ doch wolder wesen hirre fih' allen den ^ewalt, 

des in den landen vorhte der degen kiiene unde balt^ 

Von gleicher art sind N 12^— \ 140^"^ 414. 998^; G. 663^—'*. 
102 T^"'*; ähnlich N 945. 1819*—^ 2242'-^; G 967^-'. 1206. 
N 997* Dn naht und dri tage wil ich in läzen stän, 
unz ich mich geniete mins vil lieben man, 
vgl. N 1203'*-*; G 729^-». 1483^-2. 
N 1058^ 7tfir turren ir des hör des vor gehaben niht, 

Sit sin ze morgen^dbe diu edel küniginne giht. 
N J771* do diend er sinen vriunden, als ez dem helde gezam, 
N 1842^ y^ entar ich in vor Etzel geraten keinen haz, 

wan er iwer mäge vro vil gerne siht. 
N 2202"^ lät uns in tragen hinnen, da wir den recken begraben, 
vgl. N 2203^ G 815^-2. 
N 2248^ der sluog mir dise wunden in dem gademe, 

do ich von dem recken wolde wenden dan, 
vgl. G iiiS^-^ 

G 70^ da hceret michel wunder von sinen sorgen sagen, 
wie da den lip behielte von Jrlant der herre. 
G 626' si was im doch gencedic, der er im herzen gerte, 

swie si Hartmuoten sines willen liitzel iht gewerte, 
G 986'^ da muoste si sit lenger beltben danne wcere 
der juncvrouwen wille. 
Endlich sei noch erwähnt 
N 622^ mit ungefüeger krefte satzter ir sich wider 

versuochende angestUchen an froun Priinhilde sider, 
und die ohne parallele dastehende stelle 
G 780'"^ zuo in üz der veste 

die Hetelen degene wollen slahen die vil werden geste, 

§ 15. In den nunmehr anzuführenden belegen geht der 
nebensatz voran und der umschreibende ausdruck findet sich im 
nachgeschickten regierenden satze. 

R. 520 soche wir sie mit here dan, 

so quellt men die helede lossam, 

vgl. R 4634-4638; N 839»^ 905' '. 1392'-'. G 419*-^ 
427. 609?"*. Etwas verschieden von den angeführten sind die 



— 19 — 

beiden im satzbau einander ähnlichen stellen N ii6^~^ und 
1098^-^ 

R 1593 do sie quämin zo Constanänopole, 
1595 die vrostin wären dar ober naht. 
Gerade in diesem falle, wo dem hauptsatz ein Vordersatz 
mit dd voransteht^ ist die voranstellung des pronomens sehr häufig 
(vgl. § 11). So findet sie sich N 224^"^ S7o^~^ C^f — i^i — 
Sifrides: vgl. auch § ii^. 610^-^. 842^"^ 1031^-^ iio8^~^. 
1366^ 1514^-^ 1515^"-'^. 1561^—^. 1596^^^ i6i2^~^*) 1705^-^ 
1708^""^ 1710^""*. 1772^-'*. 1774^-^ 2143^ (nur als statt do.) 
2i88^ 2194^-2. G 87^-2 97^-2. 117I-2. 538^-^ 560I-2. 

622*~^ 629'"^ 707^— ^ 985^"^ 1013^ 1117^ 1244^— ^ 1250^"^ 

1365^"^ 1587^-^ 1696*. Ähnlich noch N 1340*"* und G 

■ 

II 58, aber im sfttzbau abweichend. 

N 134^ Swenner bi den helden üf dem hove stuont, 

^ so sttwnt so minnedtcke daz Siglinde kint. 
vgl. N 843»-». 

N 326^ swer ir minne gerte, der muose äne wanc 

driu spil an geivinnen der vrowen wol gebo rn. 

N 919^ swie harte so in durste y der helt doch 7iiht entra?ic. 
Ähnlich N 2312^"'* und G 1659*. 

N 989^ die sin doch Uhte enbären, di weinden Sifrides Itp. 
Vgl. N 994*-*; G (2982-^^). 390*. 568^*. Ähnlich ist auch 
N 1437*"*, im satzbau stärker abweichend N 658*"^. 

Eine Sonderstellung nehmen folgende drei belege ein : 
N 46^ Diu ir unmazen schoene was vil witen kunt, 
und ir hohgemilete zuo der selben stunt 
an der juncfrouwen so manic helt ervant. 
N 1422^ Schilt unde setele unt allez ir gewant, 
daz s i fiteren wollen in Eizelen lant, 
daz was nu gar bereitet vil manegem kUenem man, 
G 147^ ob im an siner brüste ein guldin kriuze st, 

ob man des an dem degene die rehten wärheit vinde, 
so muget ir sin wol jehen ze einem kinde. 



^) Hier indes nur inA; Lachmann hat statt des dort überlieferten 
»küenenc die lesart von BC aufgenommen. Siehe Fischer, Nibelungen- 
lied oder Nibelungenlieder, s. 134. 



20 

§ i6. In allen diesen fällen indes brauchten wir den um- 
schreibenden ausdnick für das Verständnis gar nicht, und insofern 
gehören sie noch halb und halb in das erste kapitel unserer 
Untersuchung. Nicht ebenso verhält es sich mit einigen andern 
stellen, die ich deswegen absichtlich noch nicht mit aufgeführt 
habe, so 

R 1839 sie mdsie manigir ane seefi, 
e die vrouwe schöne 
hin zo diske quäme. 
Die beziehung des pronomens wird hier erst durch den 
nachfolgenden umschreibenden ausdruck klar. Andere fälle dieser 
art sind 
N 671* ern jachs im niht ze dietisie, siuie dicke er Stfriden sack. 
N 870^ Geladen vil der rosse kom vor in über* Rin, 

diu den j eitge s eilen truogen bröt unde wtn. 
N 915* do er daz gehörte, wie liep daz Gunthere was! 
N 1244* Dö si über die Träne körnen bi Ense üf daz velty 
dö sach man üf gespannen hätten unt gezelt, 
da die geste sollen die nahtselde hän. 
Die ungewöhnliche ausdrucksweise hat Lachmann zu 
einem tadel veranlasst ^) : sie lässt sich indes durch den hinweis 
auf die zahlreichen im vorigen § zu R 1594 ft citierten stellen 
rechtfertigen. Ganz ähnlich steht es übrigens N i66i*~^: 
Dö si der hirre Dietj'ich gen im komen sach, 
hie muget ir hceren gerney ivaz der degen sprach 
zuo den Uoten kinden. 

Vorher war von den Burgonden und von Dietrichs 
rittern und knechten die rede : weder auf diese, noch auf das 
gesamte Burgondenheer geht das pronomen, sondern gemeint sind 
eben diu Uoten kint^ die fürsten. 

Man sehe ferner: 
N 1521^ Dö s i daz schif entluoden und gar getruogen dan, 
swaz dar üffe heten der drier künege man etc. 
G 229^ hähet er mir einen boten, dar umbe müese tot 

selbe geligen Hage ne , der kunec von Jr rtche. 



') In der anmerkung zu dieser stelle ; s. auch Henning, Nibelungen- 
Studien, s. 87. 



2 1 

G 448'"^ snniz ir durch stritcn uns immer ilent nach, 
si dannc wol geufäfent iüsent iuiver hei de y 
die kel 7vir in die vliletc. 
G 566^ al des si luillen hcte, daz dienten si des wilden 

Hage neu hin de, 
Vi 705* Swie s i /leiden hiezen, die von Mörlant 
{Iringen sich niht liezen. 
G 1106"^ o/^ si varen sollen des niehsien tages v?'uo, 

cz zceme ivol ze mäzen den lob e liehe n gcsten. 
G 1 3 1 2 '^ ir sult boten senden^ min her Hartmuoty 
in Or7nante?iche, ob ez in wol gcvallcy 
näeh iuwern besten v riunden. 
G 1344* wie viengen wir daz an, 

daz wir ze ir lande ka'meny e Ludeiviges man 
und Hartmuotes helde en'unden disiu mcere. 
Ich füge diesen stellen noch einige bei, die sich von 
ihnen insofern unterscheiden, als zwar auch erst nachträglich das 
pronomen in seiner beziehung deutlich wird, aber pronomen und 
epitheton bezw. namen sich auf zwei stärker von einander ge- 
schiedene Sätze verteilen : 
N 798* e r sol her für gan. 

' hat er sichs geriiemet, daz sol er hoeren län: 
oder sin 7nuoz laugen der hell uz Niderlant. 
N 1532^ 5/ wizzen 7iwl diu ?ncere. nu grifet balde zuo^ 
so G elf rät und Else Mute hie beste 
unser ingesinde. 
N i653"^ //// soll si wol enphähen, Krimhilt, vrouwe min: 

dir koment nach grözen eren die vil lieben brileder din, 
G 214* so sende in stn lant; 

heiz Hör an den bringen. *) 

B. Vorwegnähme von Satzteilen durch vorangestelltes pronomen. 

§ 17. Die eben behandelte stilistische erscheinung leitet von 
selbst zu einer anderen form des gehobenen ausdrucks hinüber: 



*) Anders interpungiert und erklärt Martin; aber die Vjeziehung von 
»stn< auf Hagen gefällt mir unmittelbar nach 213 nicht. 



22 

der begriff wird durch ein pronomen oder einen pronominalen 
ausdruck vorweggenommen und erst nachträglich genau bezeichnet. 
Die isolierte Stellung verleiht ihm besonderen nachdruck. Die 
beträchtliche zahl der belege, die unsere epen bieten, zeigt, dass 
dieser uralte dichterbrauch nicht in Vergessenheit geraten war : 
auch in späteren litteraturperioden und noch heutzutage ist er 
volkstümlicher redeweise nicht fremd. ^) 

R 1517 do lovete men Dietheriche, 
die kirren al geltche. 
R 1723 sie shi ime alle gezime, 
armen unde riche. 
Vgl. R 818 f; G 1363. Ähnlich G 94^ 725^"*. 879^^ 
888^. 1552^ 

R 2525 sie heizin in willekume sin^ 

den riehen harfire. 
R 3272 si vorten Rotheres zorn, 
beide wif unde man. 

So ist meines erachtens an dieser stelle zu interpungieren und 
nicht 3273 zum folgenden zu ziehen. Siehe auch R 266 f; 

G 917'-'. 

R 4190 si nedächten an die vlucht nit, 

die konin wigande. 
R 4503 done dorsten se vor den scanden 
gereden, n ehe in helet gdder. 
vgl. N 439^"^- 2305^-*; G 940^ 

N 72* ir ros in giengen ebne^ des kiienen Stfrides man. 
Ähnlich N 956»-^ 1464^-^; G 16972. 

N 77^ lät tms sten die moere, mir und minen man. 

Gleichartige falle begegnen öfters : sie haben eine gewisse 
ähnlichkeit mit den im nächsten § zu besprechenden. Vgl. N 
1253. 545^-^ (15802-3). i6i63. 1748^^ 2030'^ 20992-8. 
21 17*— 2. 21302—3. 2262^; G (11792). 13282—3. 16202. 
N 92^ den schaz in bäten teilen, den w (etlichen man. 2) 



*) Vgl. Brahm, Quellen und Forschungen, XL. s. 60. 
*) So verstehe ich die stelle mit Bartsch; Lachmann nahm 
>in€ = »sibi«r, was allerdings ebenso gut möglich ist. 



~ 23 — 

N 113' dem sol ez allez dienen^ diu Hute und ouch diu 

laut. 
Vgl. N 126*"^ und besonders N 2076^ 

N 120* uns mac wol wesen Icit, 

allen dinen degnen. 
N 130' Sivä si bi den froutven durch ir höfscheit 

kurzwik p klagen y die rtter vilgemeit etc. 
vgl. N 1837^ 
N 265' In was ir gesidele allen wol bereit y 

den hohsten und den besten. 
N 306* des wären si bereit 

mit voüeclicher mdze, die hei de vil gerne it. 
vgl. N 2257^ 

N 334^ Des swuoren si do eide, die reken vil her. 
vgl. G 418^-3. 
N 373^ ez ist Frünhilde, bürge unde lant 
und Jsenstein diu veste. 
(vgl. N 1534*-*). 
N 646* Urhp si do nämen, riter unde kfieht, 
meide unde vrouwen. 
vgl. G 9842. 
N 692' Sit wir von in schieden y hat man in iht getan, 
mtnen konen mägen? 
vgl. N 135 1*. 
N 719^ die zit si muosen pflegen. 

truhscezen unde sehen ke n y ze rihten jnanege banc. 
N 871^ Si hiezen herbergen für den grUenen walt 

gens wildes abeloufCy die stolzen ja gere balt. ^) 
N 891^ er bräht ez an die viwerstat durch sinen hdjun muoi, 
zeiner kurzwik y der de gen k li ene unde guot. 



*) Lach mann sah, wie seine Zeichensetzung beweist, »die stolzen 
jägere balt« als accussitiv an; wer ist dann aber unter »s i ec zu ver- 
stehen? Will man sich bequemen mit Lach mann 860—870 als unecht zu 
streichen, so kann man freilich ungezwungen »siec auf die 859* genannten 
»Gunthare und »Hagne« beziehen. Andernfalls hat das *sie< kein be- 
ziehungswort in den voraufgehenden Strophen. Diesem Übelstande ist mit 
leichtigkeit dadurch abzuhelfen, dass man eben >d i c stolzen jägere balt« 
als nachträglich vom dichter gegebene erklärung für das sonst unklare pro* 
nomen betrachtet. Zum absoluten gebrauch von »herbergen« vgl. N. 1302*. 



— 24 — 

Vgl. N 10092-3; G 472*. 
N 934^ ez hat nu allez ende an uns, sorge unde leit. 

Vgl. N 1729^ 
N 941^ da e r jagen rite aleine y Kriemhilde man. 

Vgl. N 2 22o2~3. G 642'. 
N 988^ zuo der selben not 

körnen do die beide , da si in funden tot, 
Gernöt ir bruoder und Gt seiher daz kint. 
vgl. N 44^ 212^— ^ 1130'^-^. 1370^—2. 1548^— ^ 1551^—^ 2144^. 

2158^. 2245'; G 341^ 765^ 875^ 

N \22\^ si teiltez siner sele, ir vil lieben ?nan. 

So wird das Possessivpronomen noch aufgenommen N i7982~3. 
N 1368'"^ und soll ichs sehen hie, 

mir wcere wol ze muote, die swester süne min. 
N 1383^ daz si lebent mit vreuden, der kilnec und sine man, 
vgl. N 1908^ 2062^—3. 2092^ 2097'^~*\ 2298'; G 473^*""*. 
873^ 1075^ 1466^-2. 1574^-^. 1666I. 
N 1401^ Nu lät iuch niht betr legen, swes s i halt jehen, 

die boten von den Hiunen, 
vgl. G 7 67 1-2. 
N 146 5 2 da mohte man si kiesen an herltchen siten, 

die fürs ten und ir mdge, die hei de lobe s am. 
N 1524^ Si fuorten mit in einen üz Burgonden lant, 

zuo sinen handen einen hell, 
N 2042* ob unser tüsent wceren, wir Icegen alle tdt, 

der sippe diner mäge, 
N 2138* ob ir si alle sliieget, die von Burgonden lant, 
vgl. G 320«-*. 5092-3. 673I-2. 872»-^. 897I-*. 
N 21633 daz uns die ringe erkuolen, un s s tri tmüeden man, 
N 2164^ Den sitzen, disen leinen sach man manegen de gen, 
N 2224^ Dd sluoger Volkeren, daz im diu helmbant 

Stuben allenthalben zuo des sales want 

von heim und och von schilte, dem kilenen spileman. 
G 167^ Er wuohs in einer wüeste, der edele vUrste junc, 
G 364^ daz er als ein begozzen braut riechen began, 

der meist er vor dem junger, 
G 481* der recken ietwedere gienc ir an der hant, 

Hilden der schoenen. 



— 25 — 

G 581* manegen pris grdzen si erivurben dicke da, 

die sinen hergesell cn. 
G 625^ si gunde im wol ze lebene, diu herliche meit. 
vgl G 1198^ 
G 819^ wol weste ich, daz im Ikh^ 

dem kiinege üz Ormanie , Hagene sin lanl, 
G 1437^ Nach dem seiden worte liefen s einander an, 
die zwene rtche künege. 

C. Wiederaafnabme eines begriffs nnter erweiteran^ durch einen zusatz. 

§ 18. Manchmal wiederholt auch der dichter ein Personal- 
pronomen oder nimmt mit einem solchen einen begriff wieder 
auf und fügt einen erweiternden zusatz hinzu. ^) So 
N 64* sd hilf ich dir der reise, min einigez kint, 
mit der besten wcete, die riter ie getruoc, 
dir und dinen gesellen. 
Vgl. N 684»-^ 
N 701* ez hat nach mir gesendet Günther, der f rinnt nun, 

er und sine mäge, 
N 713^ da wart er vröuden rot, 

er und iwer swester. 
N 824^ wie möhte sich Sifrit da vor dö bewarn, 

er oder ander ieman, daz si dö truogen an? 
N 1252^ Den bischof sach man wtsen siner swester kint, 

in und Eckew arten. 
vgl. G 1251*"^. 
N 1554^ Else wolle gerne rechen dö den man, 

er und sin gesinde. 
vgl. G 871^—^ und auch G 1037*-*. 
N 1934^ sit ir Sit triwen stcete^ ir unde iwer man. 

Ähnlich G 1023^ etwas anders geartet dagegen: 
N 2274^ Ergip dich mir ze gisel, du und din man. 
G 423^ wan daz uns wer her Hagene 

riten zuo den scheffen, er und min vrouwe, 
sin wtp diu küniginne. 



*) vgl. Behaghel, Eneide p. CXXV. 



— 26 ~ 

G 467* 7van sagete, daz He tele von den Hegelingen dar kamen 

wcere 
Unde rite engegene der triutinne stn^ 
er unde sine degene. 
G 699^ DS si im ze helfe körnen, Herwige und sinen man. 
G 1181^ Dir kumt vofi Tenemarke Hdra n t der neve dtn 

üf urliuge starke , er und die recken sin. 
G 1541^ man bevalch im Küdrünen , si und alle ir vrouwen. 
Ähnlich auch noch 
G 'j^ da von getiuret wurde stn lant und ouch sin lip 
nach so grözem sire, er un d ouch sin kilnne. 

D. Analo^on in der composition : eine person tritt in die bandlnn^ ein» 

ohne gleicli genannt zu werden. 

§ 19. Der in § 17 besprochenen ausdrucks weise vergleichbar 
und auf einen ähnlichen psychologischen Vorgang zurückzuführen 
ist die eigentümliche , für die altgermanische dichtung von 
H e i n z e 1 nachgewiesene erscheinung, dass wir den namen einer 
person erst hören/ nachdem sie bereits in die handlung einge- 
treten ist. Der dichter vergegenwärtigt sich seine gestalten so 
lebhaft, dass er sie dem hörer vorzustellen vergisst. Erst hinterher 
scheint er sich dieser vergesslichkeit bewusst zu werden und 
nennt nun den namen, aber — und das ist eben das merk- 
würdige — so nebenbei, dass es dem hörer überlassen bleibt, 
die Verbindung zwischen ihm und seinem träger herzustellen. Es 
liegt in der natur der sache, dass diese erscheinung selbst in 
einem längeren gedieht nicht häufig auftreten kann. Um so 
bemerkenswerter sind die stellen, an denen sie in unseren epen 
vorkommt. *) So R 150 ff: 

Alse die vart wart gelobity 

do na?n swert üfe deme hove 

ein vil junger de gen, 

beide zabel unde kelen, 



*) Auch aus der kunstdichtung lassen sich belege anführen. Heinzel 
selbst erwähnt (s. 8 seiner abhandlung), dass Wolfram und seine nachahmer 
diese manier gewahrt zu haben scheinen: gleiches gilt von Hartmann. 



— 27 — 

ein gräve der heiz Erewtn, 

da mite ztreter die riter sin. 
Jener junge degen ist eben der zwei verse später genannte graf 
Erwin. 

R 3496 do streich ein alder wtgant 

wol gevazzit oz^er lant 

in die stat ze Bare etc. 

Dass der alte kämpe Berchter ist, lässt sich zwar unschwer 
vermuten, aber Sicherheit gewährt erst v. 351 1. 

Einige recht hübsche beispiele liefert das Nibelungen- 
lied. Günther ist nach empfang der feindseligen botschaft 
von Liudger und Liudgast voll sorgen : in dieser trauer 
sieht ihn ein rtter vil gemeit. Dieser ungenannte ritter ist, wie 
aus 153^ geschlossen werden kann^ Siegfried. Lässt man 
Lachmanns liedertheorie im allgemeinen un5 die ausscheidung 
der Strophen 147 — 150 im besonderen gelten, so verdient die 
stelle um so mehr beachtung : denn dann erscheint Siegfrieds 
name vor 153^ in diesem Hede nicht. Wir haben dann also ein 
beispiel, wie wir es nicht besser wünschen können. Bemerkens- 
wert bleibt der fall unter allen umständen, auch für den gegner 
der L ach m an n 'sehen kritik. Denn immer giebt 153^ erst 
gewissheit darüber, wer der rtter vil gemeit ist. Ein ganz unan- 
fechtbares beispiel bieten die Strophen 325 ff, der eingang des 
IV. Lachmann'schen liedes: erst 328^ erfahren wir Brünhildens 
namen, vorher erscheint sie nur als ein kimigifine 325^, vrowe 
wol gehorn 326^, diu juncfrouwe 327 \ daz scha'ne wip 327^; 
nirgends vorher ist von ihr die rede gewiesen. Anders steht es 
schon um einen zweiten beleg in denselben Strophen : Günther 
wird nämlich erst 333^ genannt, vorher heisst er bi dem Rhie 
ein ritcr 7uol vcrstäfi 327^ und der voit von Rine, 328^ Dies 
beispiel steht und fällt mit Lachmanns theorie, denn in der 
elenden flickstrophe 324 ist Günthers name genannt. Von einigen 
ähnlichen fällen wird an einer späteren stelle zu reden sein. 
N. 1900^ erblickt Hagen einen spilman^ dem er die rechte ab- 
haut : dieser spielmann ist W ä r b e 1 , wie die folgende Strophe 
zeigt. 2152 ist von einem nicht genannten Burgonden die 
rede: dass der dichter einen ganz bestimmten und zwar Ger not 
0ieint, ist erst aus 2153 zu entnehmen. 



— 28 — 

In der Gudrun begegnen uns folgende beispiele. 204^ 
hören wir: ein helt der was cnvahsen in Tc nehmt ; dieser helt ist 
H e t e l , dessen name uns erst 206^ (oder nach M ü 1 1 e n h o f f s 
herstellung 207') genannt wird. 

G 586 Von Hegelin^e lande kerten si dö dan. 

da vofi ein r Ute r ed el e schaden vil gewan 
stt in langer wile nach den selben stunden : 
si täten Herwige, swaz si gevuegen sines schaden künden. 
G 968 fordert der böte Hartmuots G^rlind auf, sie 
solle mit ihrer tohter den anköramlingen entgegen ziehen; 971^ 
freut sich diu junge kilniginne. Ihren namen nennt der dichter 
erst 973^. Den oben angeführten stellen N 1900 f. und 2152 f. 
entsprechen ferner G 537^ — 53^'- io59^ — Io6o^ 

In gewissem sinn mag man auch ein paar andere stellen 
noch hierher ziehea, wenngleich ihnen ein wesentliches moment fehlte 
weil sie von vornherein über die persönlichkeit kaum einen 
zweifei aufkommen lassen, so N45^ — 47^. 131^ — 132^. 280^ — 283"^; 
G 420^"^ Vergl. auch R. 653 fF. 1041 ff. 4935 ff. 5080 ff. 



III. Abgetrennte Apposition. 

§ 20. Um ihrer spräche grössere fülle zu verleihen, bedienen 
sich unsere dichter in reichem masse des mittels, einen begriff 
durch appositionen zu variieren. Soweit diese dem begriff, 
zu dessen ausmalung oder näherer bestimmung sie dienen, un- 
mittelbar folgen, geben sie zu bemerkungen kaum anlass. Dass 
viele von ihnen zu den formelhaften Verbindungen zu rechnen 
sind, darauf braucht schwerlich noch besonders hingewiesen zu 
werden. Nun ist aber ganz nach altgermanischer weise nicht 
selten der appositionelle zusatz von dem auszu- 
schmückenden begriff durch andere Satzteile 
getrennt, in der regel gar an das ende des ganzen satzes 
gestellt; diese fälle sind es, die für unsere Untersuchung von 
interesse sind. 

R 57 die türen volcdegency 

die giengen zo samene, 
die wtsen alt herren. 



— 29 — 

R 124 nü heiz dir gewinnen Herren y 
die du mit dtnen iren 
wol mugis senden 
üz disen landen, 
eilf riche grävin. 
Damit vergleiche man R 396 — 401. 1585 — 1589 '). 3i78f. 
3444-3449; N 2652-3. 645'-'. 969'-'. 1282^-^ Cx 282^-2. 
ferner auch N 397^"^ 59^^; G 202\ 272^"^. 320^""^ Allen 
diesen stellen ist die nachträgliche zahlangabe gemein. 
R 1394 dö quam ein verorloget man 
zo Constanttnopole gegän, 
ein gräve , der hiez Arnolt 
R 3067 die maniger hande wondir trage y 
golt unde steine, 
wazzerperlin kleine, 
s car lachin unde p eilen. 
R 3 9 1 1 Röthere is hie inne, 

der koninc von Rdme\ 
R 4688 die koningin ir tochter nam, 
eine vrouwe lo s s am 
Im Nibelungenliede erscheint gleich in den ersten 
Strophen diese stilistische eigentümlichkeit auffällig oft: 
N 5^ Die herren wären milte, von arte höh geborn, 

mit krefte unmäzen kiieney die recken üz er körn. 
N 7^ ir vater hiez Dancrät, der in diu erbe liez 

sU nach sime lebne^ ein e llens ri eher man. 
N lo^ Sindolt und HänoU, diese herren muosen pflegen 

des hoves und der eren, der drier k il n ege ma n. 
N 1 1 ^ dö was der neve sm 

truhsceze des kiiniges, von Metzen Ortwtn. 
Sindolt der was schenke, ein üz er^velter de gen. 
Nirgends in unsern epen finden sich innerhalb eines so 
kleinen abschnittes auch nur annähernd so viel belege. 
N 49* so wil ich Knemhilden nemen, 

die schoenen juncfrouwen von Burgunden lant. 



*) Ich setze hinter v. 1587 ein komma, hinter 1589 den punkt. von 
6 ah der lässt den satz mit 1S87 schliessen und zieht 1 588 f zum folgenden. 
Das ist möglich, scheint aber weniger stilgemäss. 



— 30 — 

N 78^ 7üä ich den kiinic innde, daz sol man mir sagen y 

Günthern den vil riehen üz Burgunden lant. 

Vgl. N II34*-'- 1391*-'- 
N 88'"* die küenen Niblunge sluoc des heldes hant, 

Schilbunc und Niblungen , des riehen künege^ 

kint. 
Vgl. N 227*-2. 546^^ 1 1672-3. 
N 132^ daz sach vil dicke sint 

Kricmhilt durch diu 7>enstcry diu kiiniginne her, 
N 200^ Volker und Hagtu und auch Ortivin 

laschten in dem strite vil maneges /lelmes schtn 
mit ßiezendem bluote, die s turmküene man. 

N 33 2 2 gist du mir din S7vester, so wil ich ez tuon, 

die schoenen Kriemhilde , ein kiiniginne her, 
N 533^ *SV truogen riche phelle, die besten^ die man vant, 

vor den fremden recken , so manic s;uot gew ant, 
N 537^ di si da fiteren soldefiy die komen dar zehant, 

der hoch gemuoten recken ein vil michel kraft, 
vgl. R 1038 ff. 
N 583^ nu hmret disiu mcere, wie Gtmiher gelac 

bi frouwen Pn'mhildey der zierliche degen. ^) 
Vgl. N 10152 
N 587 2 dd greif nach eime gürtel diu herliche meit, 

eime starken borten. 
N 688'^ 7vol wart enpfangen Gire üz Burgonden lant 
mit sinen hergesellen y Gunthere s man. 

Das beispiel ist freilich nicht sicher, da man Guntheres man 
nicht als apposition zu Gere allein anzusehen braucht: es kann 

auch nom. pl. sein und zu dem ganzen ausdruck Gere 

hergesellen gehören, wie es in BC offenbar genommen ist. 

N 916" allez min gewceie wil ich mit mir tragen y 

den ger zuo dem schilde und min pirsgew ant, 
N 1064^ Der wünsch lac dar under^ von golde ein rüetelin, 
N 1097^ 5/ was dem besten manne Sifride undertmiy 
dem Sig mtmde s kin de. 



^) So wird zu lesen und zu verbinden sein. 



— 31 — 

Vgl. N 12862-3. 13462-3 16712-3 
N 1294^ Wie rehte nterltchen die DieUiches man 

die schefte liezen vliegen mit trunzünen dan 
höhe über schilte, guoter riier hant. 

Ein muster reicher Variation ist 

N 1 3 2 1 Diu juncvrouwe Herrät noch des gesindes pflac, 

diu Heichen swester tohtery an der vil iugende lac, 
diu genta hele Dietriche s , eins edelen küneges 

kinty 
diu tohter Nentwtnes. 
N 15342 daz iuo Volker', dem ist hie wol hekant, 
sÜge unde sträze: der küene spilman. 
Vgl. N 1697I-2, 

N i^t6^ jan hänt niht mere sorge dise degene 

wan um die herberge, die künige und ir man. 

Vgl. N 1590^-2 
N 17282 ich binz et aber Hagne, der Stfriden sluoc, 

den hell ze stnen handen. 
N 1841* /Ä> Stfriden sluogen^ den minen lieben man. 
N 19082 doch sach man vor in allen Volkeren stän, 

gein den vienden zerste '« helt guot, ^) 
N 19812 der Burgonden viere der helt vil balde sluoc, 

des edeln Ingesindes von Wormz über Rin. 
N 20052 die gäbe sol enphähen iwer de keines hant 

von der küniginne, ir liehtez golt vil rot. 
N 2078^ Mit trtirigem muote der vil getriwe man, 

den er daz reden hörte, der helt der blicte in an. 
Vgl. G 46o2-^ 647^-2 und besonders 355'~2. 
N 22272—3 piff^ ji^iß iif erslagene von des heldes haut, 
der beste hergeselle , den ich ie geivan. 
Ähnliche stellen noch 

N 3 2 ©2 belibet bt den recken, iuot, des ich iuch bit, 

bt Günther dem künige und bt sinen man. 



*) So Lachmann: statt der offenbar verderbten Überlieferung von 
A wäre jedoch wol besser die lesart von BC aufgenommen. Vgl. Bartsch, 
Untersuch, üb. d. N.-L. s. 72. 



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— 33 — 

Man sehe noch 

Cr II 8* ich hin von verren landen ^ herre, ivzzzet daz, 
von Indiä der guoten. 

Vgl. G 288^-3. 

§ 21. Mit der abtrennung der apposition vom auszu- 
chmückenden begriff lässt sich die Scheidung des attributiven 
djectivs von seinem n o m e n vergleichen, wie wir sie z. b. 
887 f finden : 

die da mit den stangen 
kumen sint so langen. 

So auch, obgleich minder befremdlich 

. R 1821 hundert megede lossam 
die volgedin ir zwären, 
alle valehire. 
manigin armbouc rot 
trogin sie gewiröt. 

N 418* Dd tnwc man der frouwen swcere unde grdz 
einen vil scharfen ger, dcns zallen ztten schoz, 
Stare und ungefüege , michel unde breit, 

N 1042^ Ze Wormz bi dem münster ein gezimber man ir sloz 
wtt und vil michely rieh unde grdz. 

N 1754* in Etzeln hof des riehen. 

N 1954' einen gir er üf zucte vil scharf unde hart. 

G 138* driu hundert tiirne sach er da vil veste unde ^uote. 

Es ist femer zu verweisen auf R 5012— 5014; N 8^~*. 
45*-"*. 347^-^ 356'^ 414'-^. 7o83. 979^-^. i269\ 1282»-^ 
1330^""^ 2007^-^ 2150^; G 610-^-^. 1537^"^ 1663^ 

Auf andere eigentümliche abweichungen von der natürlichen 
Ordnung der worte und gedanken will ich hier nicht eingehen : 
nur im Zusammenhang einer Untersuchung über den gesamten 
satzbau unserer dichter wäre dafür räum. Eine solche würde aber 
die schranken^ in denen sich diese abhandlung zu halten hat, 
notgedrungen weit überschreiten müssen. Doch sei wenigstens 
kurz darauf hingewiesen, wie auch die in allen drei epen so 
häufig vorkommende parenthetische ein Schaltung von 
ganzen sätzen altgermanisch ist. Hier beispiele anzuführen 



— 34 — 

oder gar auszuschreiben, scheint unnötig, da sie in den ge- 
bräuchlichen ausgaben meist schon äusserlich gekennzeichnet 
sind. ^) 



IV. Variation der Aussage* 

§ 2 2. Die altgermanische poesie liebte es, wie den einzelnen 
begriff, so auch mehrere zusammen, ja vollständige gedanken 
und urteile mit anderen werten zu wiederholen, um sie kräftiger 
hervorzuheben. Diese Variation fand vielfach in der weise 
statt, dass durch die gleichmässige anordnung der einzelnen be- 
standteile die innerlich gleichen Verbindungen auch äusserlich in 
einen gewissen parallelismuszu einander traten. Ein so überaus 
wirksames mittel zur hebung des ausdrucks, dessen anwendung 
wohl so alt ist, wie die poesie selbst und keineswegs den idg. 
Völkern ausschliesslich oder auch nur vorzugsweise eignete, rausste 
sich am ehesten in volkstümlicher dichtung von geschlecht zu 
geschlecht vererben. So bieten denn auch unsere epen beispiele 
in menge. Freilich dürfen wir nicht überall, wo derselbe gedanke 
wiederholt ausgesprochen wird, darin künstlerische absieht suchen ; 
am allerwenigsten dann, wenn der dichter sich nicht einmal die 
mühe genommen hat, ihn in ein neues gewand zu kleiden, sondern 
einfach mit denselben oder doch nahezu gleichen worten zweimal 
dasselbe sagt, wie z. b. N 4la=^b Ir phlägen dri künege = die 
filrsien heiens in ir pflegen. Von ähnlichen ungeschickten Wieder- 
holungen, zu denen reimnot und Verlegenheit, wie vers oder Strophe 
auszufüllen seien, wohl den anlass boten, soll hier nicht die rede 
sein. Natürlich lässt sich nicht überall die grenze zwischen 
künstlerisch wohlberechtigter Variation und tadelnswerter tautologie 
scharf bestimmen. So mag man unter den nachstehenden bei- 



*) Mit unrecht führt W. Grimm, Athis und Prophilias s. 32, die Vor- 
liebe für Parenthesen auf französischen einfluss zurück. Mir erscheint sogar 
höchst fraglich, ob man auch nur mit Lichtenstein, Eilhart von Oberge 
s. CLXXII, annehmen darf, dass die deutschen dichter in ihrer neigung zu 
dergleichen einschaltungen durch ihre romanischen Vorbilder bestärkt seien. 



— 35 — 

spielen einige finden, die man lieber gestrichen sähe, während 
man andere vielleicht vermisst. Aber bei einem kunstmittel, das 
sich weniger mit dem verstände, als mit dem subjectiven gefühle 
würdigen lässt, werden meinungsverschiedenheiten nie ausbleiben. 
Immerhin behalten wir auch nach abzug aller zweifelhaften belege 
noch genug solche, deren künstlerische berechtigung niemand be- 
streiten wird. 

§ 23. Ich gebe zuerst die stellen, an denen sich die 
Variation nur auf teile des satzes erstreckt : R 506 f wir 
suln iz den hirren allen sagen unde künden iz späten knechtin : vgl. 
G 286^ 1676 ^ — R 738f virhert (wirf) die marke, virwdstent 
vil starke, — R 1212 f nü sin si virsweliit, harte missevuorit. — 
R 2680 fF //ö wäfende sich Aspriän unde zwelf rttär lossam sluffen 
in er wtcgewant. — R 4404 ff dar got die werlt ane intbant, nach 
der üfferstande löste mit stner hande. — N 2 5 r ' man brähte si ze 
ruowe und schuof in ir gemach, — N 267 ^~* vil golt roter setle si 
fuorten in daz lant, zierliche schilde und erlich gewant brähten si ze 
B$ne : vgl. N 1513^"-^. — N 502 so saget Voten . . . Idt wizzen 
Mine bruoder , . . ir sult ouch unser friunde disiu mcere hceren län: 
vgl. N 1162*"*. 1715 ^ "•^. — N 971^ swie michel woer ir jämer 
und swie starc ir not, — N 1336* ich bin so riche unt hän so 
grdze habe, — N 168 1* des hän ich zit vil swoere und manegen 
trürigen tac, — N 1769* ze allen minen sorgen so engerte ich niemen 
mir niwan iuch aleine ^ swä ich hete not, — N 1856^ ez truobte im 
daz herze und sw arte den muot, — N 2017*"^ der künic klagte sire : 
sam tet ouch sin wip: meide unde vrouwen quellen da den lip : vgl. 
R 3015 f. — N 2311^ der ie kom ze stürme oder ie schilt getruoc, 
— G 70^ si wolle nz hän zerbrochen, mit kläwen gar zertragen. — 
G 2oS^~^ er was ze Friese?i herre wazzer unde lant, Dietmers unde 
Wäleis was in siner hant, — G 631' Er was ir nächgebüre und 
heie bt ir lant. — G 729^ Ifetele swuor des eide, er kceme nimmer 
dan und rümte in niht die heide, — G 1070^"^ daz si waschen 
muosen . . ., bereiten wiziu kleider den Hartmuotes helden, — 
G 1244' ir tuot dem geliche und sit in der gebeer e. — G 1517^ 
daz klagetet ir vil kleine und ahte ez iuch ringe. 

Vgl. femer noch R 11 12 — 11 14. 2944 — 2946. 3054 — 3056. 
3381 f. 4337—4341. 4987 ^, N 23^ 83^ 348^ 457^. 1085^ 
1157^''. 12782-3. X593I. 1756»; G 362-3. 2142-». 391'-'. 

3* 



— 36 — 

Öfters kommt es vor, dass eine aussage durch die Ver- 
neinung des gegenteils variiert wird, eine nianier, die für den 
epischen Sprachgebrauch charakteristisch genannt werden darf, 
so G 992^ diu rede was im ande und dühie tn niht guot ; vgl. N 
376^"'^. 1005^""^ 1988*""^; G 640* (mit Martins anmerkung). 

973*. 

Der dichter greift auch wohl einen teil des Satzes heraus 

und variiert ihn durch einen selbständigen satz, wie z. b. N 71* 
von schulden si dd klageten : der ausdruck von schulden wird um- 
schrieben durch das folgende des gie in woerltchen not; vgl. die 
ganz ähnlichen stellen N 1638* und 225 1^ G 1085 vroun 
Hilden soll du sagen ^ daz ich ez also süene mit maneges wtbes klagen : 
in vers 4 heisst es dann man hceret noch darumbe weinen von 
maneger muoter kifide, 

§ 24. Häufiger findet sich der fall, dass der dichter den 
ganzen gedanken mit anderen worten noch einmal aus- 
spricht. Freilich wird man in der regel die gleichmässige an- 
ordnung der einzelnen glieder in den einander entsprechenden 
Sätzen und damit das merkmal des streng durchgeführten 
parallelismus vermissen. Doch ganz fehlen auch hierfür 
die beispiele nicht. So entsprechen einander ganz genau in der 
reihenfolge der Satzteile N 863^"'^ dd begunde clagen diu edel 
kilniginne = dd wtinde änc mäze daz vil wunder scluxne wip. Ebenso 
N 1874* der schal was geswiftei = der doz was gelegen. Nur 
gering ist die Verschiedenheit in der Wortstellung N 215*""* sun 
den Sigmundes ich hie gesehen hän =^ Stfriden den starken hän ich 
hie bekant. Vgl. N 1916^"^ der sal ist wol beslozzent vriuvU, 
her Ilagene = ja ist also verschrenket diu Etzelen türe. 

In der regel aber gehen, wie die nachstehenden beispiele 
zeigen, unsere dichter weniger peinlich zu weske. 

R 6 ime dientifi andere heren ; derselbe gedanke, nur etwas 
weiter ausgeführt, liegt in den drei darauf folgenden versen: 
zwene unde sibinzich kuninge, bidervc tmde vormigCy die wären ime 
al undertän. — R 2557 ff. dd lagin die haftin in sanftin unkrefün 
^=^ die botin lägen dar alle zivenzich tage vulle unde haveten grdzen 
ivirtschaf, — R 4337 ff. dd hette Wolfräiis zorn .... manigen 
ungesundin durch den heim verscrdtin = minigin hell gdtin vromete 
der wi^ant mit siner ellenthafter hant ze leiden tagedingin, — 



— 37 — 

R 4719 fF do kronete man in mit golde unde lieh ime ein lant dar 
= dd wart he koninc: durch den zusatz in Greciä kommt dann 
freilich etwas neues in die Wiederholung, wie es sich ähnlich bei 
einigen andern der belege zeigt. — R 5 1 64 f. du were ie riche = 
din dinch stünt grozliche, — N 22^^^ er versuchte vil der ric/ie 
durch eilenthaften muot = durch sines libes sterke reit er in menegiu 
lant. — N 'jo^~^ ir sult niht weinen durch den willen min = 
immer äne sorge sult ir mtnes libes sin. — N 158*"^ daz lät iuch 
ahten ringe = senftet iwer gemüete. - — N 348^ er truoc si in dem 
herzen = si 7aas im so der lip. — N 448^"* daz sol ich understin 
= des läze ich niht ergen, — N 572^"* weinen si began = über 
liehtiu wange sach man vallen trahen dan. — N 593^""* swie 
ivol man da gebarte, trüric was sin muot = der herre des landes, 
ir fröude düht in niht ze guoi. — N 1129^^*^ ez sollen immer 
dienen disc degene, daz uns der markgräi^e zuo liebe hat getan = 
des solle Ion en/>hdhen der scha'nen Götelinde man. — N 1415^"* 
die körnen rtierluJie =^ harnas unt gtivanl fuorten die vil snellcn in 
daz Guntheres lant. — N 160^^ gemischet 7vart ir vanue =^ si wart 
bleich unde rot (vgl. unten N 239*^ — 240^). — N 1617' diu rede 
Riiedigeren dühte harte guot und ouch Götelinde = ja vreute si in 
den muot. — N 1756^ der tac /wie nu ende =^ und nähet in diu 
naht: vgl. N 749^ 980^ 1540*; G 379^ 885^ *). — N 2003^-^ 
den starken Iringen klagen si began = si weinde sine 7uunden : ez 
was ir grimme leit. — N 2006*"'"^ sin varwe was erblichen = des 
todes zeichen truoc Irinc der inl k'üene (vgl. auch 928^"^). — N 
2081^""^ niiuan daz ich die recken her gefUeret hän =^ ja 7vas ich 
ir geleite in mines herren lant. — G 133"^ des lone ich iu gerne = 
ich gilte mit schätze unde mit gewande. — G 169^ diu hetc erzogen 
in selben = ja wuohs er bi ir harte sorcliche. — G 284^"** nach 
ir arbeite der junge kiinec geiuan truric gemüete : er vorhte ir alle 
stunde = der kiinec sich getrcesten in sinen jungen sitcn ir niht 
enkunde. — (j 399^ getrikge si immer kröne = und daz si gewiinne 
lant: vgl. 401^ mac er haben kröne ^^^ oder hat er eigen lant. — 
G 416'^ im cnvielen siniu ougen ==^ truoben er began. — G 44 8"^ 
die kel wir in die vl'üete = wir ^eben in die luazzerkiielen selde. — 



*) s. auch Henning, Nibelungenstudien s. 60, 



- 38 - 

G 619^"^ daz Ufas im grimme leit = des was stn stokez herze 
gebunden mit sware, — G 991* ich ger hie niht ze wesene = ja 
muote ich aller tegeliche hinnen: vgl. G 1548*. — G 1598*-* si 
weinten al gemeine y daz er gevangen saz in vil starken banden = ir 
ougen umrden naz umbe Hartmuoten den künec i*on OrmanMne: vgl. 
N 2084^ 

So ferner R 597—599 = 600. 5026 — 5028 = 5029 f. N 
i272-3a= i27^b 1468= 146^ 266^-8 =266^ 374^*» =374^ 
(= 375"). 494' = 494'. 1358' = 1358^ 1558^*= 1558^»». 

l68l^a= l68l3b. 1902^ ^= 1902*; G24*»=24**>.3l2a=3i2b. 
y^4a=yy4b. 342^»=342^*>. 817^=817*». 1105^»= II05l*>. 
Il6o2a=:ii6o2b. 118530=1185^. 14062=1406*. 

§ 25. Bisweilen gehen unsere dichter noch weiter und 
variieren gar umfangreichere perioden oder satz- 
reihen. So R 662 Q ich sie duort guote knechte, die turrin wol 
vechten = uns kumit zö vdze ein schone schare, die stn harte wtdiche 
gare. — R 2209 ff daz s,agic der . . . vil emistRche in trouwen, 
hirre, tiffe die sele min, als ich getoufit bin, der üze allen landen die 
türin wigande zö ein ander hieze gän, sone wart nie nichein man, 
der dtn genöz mohie stn = daz nemich an de trüwe mtn, daz nie 
nichein möter gewan ein barin also lossam, daz iz mit ztuhtin, 
Dietherich, mochte gesizzin ineben. dich. — N 3092—* so nemet näne 
gäbe: also stet ?ntn sin, daz ichz immer diefie = versmcehet niht 
min guot\ daz wil ich mit iu teilen: des hän ich vesten muot. — 
Bemerkenswert ist namentlich auch N 321 so lät diu ros stän: 
ich wolde sin s^eriten : des wil ich abe gän = und traget hin die 
Schilde : ich wolde sin ze lant : des hat mich Giselher mit eren wol 
envant. — N 1418^"^ die het er wol bekant, waz in starken 
stilrmen hete gefrmiet ir hant = oder swaz si ie begiengen, des het 
er vil gesehen. — N 1718^"^ nu sti wir von dem sedele , , . si 
ist ein küniginne = bieten ir die ire : si ist ein edel wtp. — N 
1729^—2 :z= 1729^ ez ist et äne lougen, küniginne rieh, ich hän des 
alles schulde, des schaden schedelich = ich enwolde iu danne liegen, 
ich hän iu leides vil getan. — N 1787 mir kuolent so die ringe . . 
ja 7vcene diu naht welle uns niht wem mer = ich kiusez von dem 
lüfte, ez ist vil schiere tac. — G 377*"* swer ez {daz sanc) rehte 
erha'ret, daz im sin leit verswindet = und minnert gar stn sorgen, 
der mine süeze wise .rehte ervindet, — G 7422-* ^^ ^^ ^^ ^ ahte, 



— 39 — 

der Küdrünen Up solte ze Ormante bt Hartmuote erwärmen = si 
vleiz sich des ze 7üäre, er umbeslüzze si mit stnen armen. — G 
895 ^~* die daz (den weinenden wuof) niht weiten Idzen, daz man 
die alle ertränkte = swelhe man gehörte, daz man die in die ünde 
sankte. — G 959^ ""^ * e ich Hartmuoten ncemCy ich wolle e wesen 
tot = den lip wil ich Verliesen, e ich in ze vriunde welle gewinnen. 
— G 1599^""^ si müezen mir erstceten, daz si uns iht entf innen = 
und miiezen süßeren eide, daz si äne mtn gebot iht fiten hinnen. 

N 288^""^ heisst es: ir heizet Stfriden zuo mtner swester 
kumen, daz in diu maget grüeze : des habe wir immer frumen ; die- 
selben gedanken bilden den inhalt der folgenden zwei verse: diu 
nie gruozte recken, diu sol in grüezen pflegen; da mit wir hän ge- 
wunnen den zierUchen degen. Dieser fall, dass die zweite hälfte 
einer Strophe den in der ersten ausgesprochenen gedanken variiert, 
findet sich in N femer str. 444. 639. 1015. 2150 ') 

§ 26. Nicht selten wird auf einen gedanken noch einmal 
zurückgegriften, nachdem inzwischen ein anderer ausgesprochen 
war. Das erinnert in etwas an die von Heinzel auf seite 9 
seiner abhandlung besprochene eigentümlichkeit angelsächsischer 
poesie, dass zwei gedanken sich gewissermassen durchschlingen. 

R 264 f ich winey daz nie sd manic man schone in diz lant 
nequam : dann folgt ein kurzes lob der Schönheit von mann und 
ross, und 268 f fahrt der dichter fort: iz nequämen ni lüte so 
wunnencltche in diz Constanttnis rtche. — R 2237 ff iz nelevet 
nichein werltman, der mer so live hette getan: des sal her noch 
geniezen = 2241 f her bozte mer dicke mine not, des löne ime noch 
got (vgl. auch 2245 ^^ ^^^-^ ^^^ ^^ genidich unde got). — R37o6f 
ich bin ein eilender man, na miner spise moz ich gän = 3709f ich 
bin ein arm pilegrim unde vare durch die rtche vil gämerliche, — 
N 61^ si begunde trüren umb ir liebez kint ^61* diu edel kUniginne 
vil sire weinen began. — N 385^ si riten herliche für Frilnhilde 
sal = 385* si komen zuo dem lande, als ez ir eilen in gebot. — 
N 9422» ^^/^ /j/ 2)il unmcere = 942^* ez ahtet mich vil ringe: vgl. 
G 79o2a=3a — j,f 1249^ ^^^ edelen marcgrävinne was daz niht ze 



*) Ist die von Lachmanii vorgenommene athetese der Strophe 215 1 
berechtigt, so folgen hier sogar drei Variationen desselben gedankens auf ein- 
ander, als dritte nämlich 2152^ — '. 



— 40 — 

kit = 1249* /> was ein teil ir swcere mit grozen vreuden benamen. 

— N 15092a hiute muoz ich sorgen = 1509**» des rnuoz ich trüric 
gestän. — N 1766^* nu lät iwer sorgen = \^(i(M des sU gar an 
angest. — N 1826^ daz wart sit maneger vrouwen groesUchen leii 
= 1826* daz sach man sit beweinen beide meit unde wip\ die 
Strophe bietet übrigens ein recht hübsches beispiel jener ver- 
schlingung von zwei Vorstellungen : Volker— die frauen 

— Volker — die frauen. — N 2071^ isUchen nach den 
f Hunden Jidrte man do klagen == 2071* des heten holde mäge nach 

in grazlichiu ser. — Endlich schreibe ich aus N noch hierher 
2194^» do klagten in die recken = 2194* den Dietriches recken den 
sach man trehne gän über bart und über kinne : es ist bemerkens- 
wert, dass gerade solche stellen, die von leid und klage erzählen, 
mit einer gewissen Vorliebe variiert zu sein scheinen. — G 50* 
nach ir aller wünne muoste ir mafieger klagen = 50* nach ir 
grdzen vreuden si können in vil herze nliche swcere, — • G 989* ez 
wcere iu lihte kit = gSg^ jd möhte iuch . . . wol betrcigen. — 
G 1 2 2 2 * //' jnöhtet kröne trafen = 1222^ ir sottet landes vrouwen 
si/i mit grozer ere. — G 1405^ da man sol helde kiesen, da ist er 
ein ritte r guot = 140^^ er ist in allen striten küene und biderbe 
gcnuoc. — G 1565^ ez loas von in bekumbert min herze und auch 
min lip =:^ 1565** michcl ungcmüetc leit ich offenlichen utide taugen. 

— G 1638^ c licze ich min leben = 1638^ sb wolte ich wcerUche^ 
daz man mich e veigen gestehe. 

Man vergleiche noch R 315 = 319. 4659 = 4663 f ^) 

N 177^-^'» -- 177*^. 250'-*=:^ 2 50^*>-*a. 4752=^754 j,ggl-_ 

1198^*». 1637^= i6374*>. 1663^=- 1663^^. 2062^-^ = 2062^ G 

27-::^ 27'^b 209^^=^ 2 092b--^a^ 914*»= 914'^''. TOIo2b= 10I0^*>. 

1039*^= 1039^. 1069"^»=- 1069'"^^. i45o2a::^i45o'*». 14652b = 
i465-^b. 

Ein eigentümlicher fall liegt N 86 vor, wo der in den 
beiden ersten zeilen in indirekter rede ausgesprochene gedanke 
im schlussvers noch einmal, aber diesmal direkt ausgedrückt er- 
scheint. Das umgekehrte findet man G 312^""" = 313^^*. 



*) wofern man nämlich das unpassende »sprach« der hs. in v. 4659 
mit Rückert in >sach« ändert. 



— 41 — 

§ 27- Die beiden Variationen des gleichen gedankens ver- 
teilen sich gelegentlich auch auf zwei Strophen, wie N 142* 
Liudqast und Liudger die wellent iuch suochen inz iant = 143* 5/ 
weüent herverten ze Wormz an den Rin, Consequent durchgeführten 
parallelismus haben wir so N 231'* die stolzen Burgonden habent 
so gevam = 232^ die recken von dem Rine die habent so ge fiten. 

— N 239* do erblüete ir liehtiu varwe =: 240^ /> schoenez antlittze 
daz wart rosenrot. Wieder genau in der reihenfolge der Satzteile 
einander entsprechend N 420^ mich riwet innercUchen disiu hovevart 
= 421^ mich miiet harte sere, daz ich kom in daz Iant. Weniger 
gefällig ist infolge der beibehaltung einiger worte bei der variierung 
N 432^""* den ger . . den schoz do hin widere des starken Sifrides 
hant = N 433^ den gir schoz mit eilen daz Sigmundes kint. — 
N 763^ da des kUneges wille an mime übe gescach =764^ und da 
er mtne minne so riterlich gewan, wegen der überlaufenden 
construction kaum anders zu beurteilen als die oben besprochenen 
fälle unmittelbar bei einander stehender Variationen : vgl. N 
2075^=2076^. — N 988^ mit triwen si in klai^eten: ir ougen 
wurden nazzes blint ^= 989^ si wänden innercliche Kriemhilde man, — 
N 1799* — 1800^ mir ist leit üf min triuwe, und hat in iemen iht 
getan, ich solz in gerne buezen, swie si dunket guot = 1800^"'^ 
hat iemen si beswcerety daz herze und ouch den muot, des bringe ich 
si wbl innen, daz ez mir ist vil leit. swaz si mir gebietent, des bin ich 
alles in bereit. — G 1058^ ir megeden wart nie leider, do si si 
sähen dienen lif dem sande = 1059^"^ disiu arbeite diu gienc in 
allen nähert, do si ir edelcn vrouwen also jäme ritchen waschen sähen. 

— G 1434^^ du stcßle mir min vrouiven = 1435^^ du nceme mir 
min wip. ^) 

V. Das Verhältnis der drei Epen und ilirer 
Teile zu den besprochenen Stilniitteln. 

§ 28. Im bisherigen verlauf der Untersuchung kam es 
lediglich darauf an, den nachweis zu liefern, dass noch in der 



*) Sehr zweifelhaft scheint es, ob auch ein fall, wie er sich N 1305 ff 
findet, hierher gezogen werden darf. Freilich entspricht 1305* - * genau 1308*"* : 
aber zwei volle Strophen stehen dazwischen und so wird der eindruck der 
Variation verwischt. . 



— 4« — 

mhd. Volkspoesie, soweit sie durch die drei epen R o t h e r , 
Nibelungenlied und Gudrun dargestellt wird, die alt- 
nationale epische rede weise nachklingt. Nunmehr drängt sich die 
frage auf, ob ihre spuren überall in gleicher weise wahrnehmbar 
sind, oder — wenn das nicht der fall ist — wo sie am schärfsten 
hervortreten. Eine statistische Übersicht über das vorkommen 
der besprochenen stilistischen erscheinungen, wenigstens der be- 
merkenswerteren, in den drei gedichten scheint daher unerlässlich. 
Ich habe sie in der angehängten tabelle unter I zu geben ver- 
sucht : hier will ich einiges zu ihrer erläuterung bemerken. 

Eine blosse Zusammenstellung der belegzahlen würde keinen 
vergleich ermöglicht haben. Ich hielt es daher für angemessen, 
eine Umrechnung in procentzahlen vorzunehmen, und setzte zu 
diesem behuf das Rotherepos einem gedieht von 700 Nibelungen- 
strophen gleich : damit wird ungefähr das richtige Verhältnis ge- 
troffen sein. 

Mit ausnähme des einen in § 8 besprochenen falles ist in 
der tabelle die Verwendung des epithetons statt des pronomens 
nach stärkerer interpunktion nicht berücksichtigt. Mich dünkt, 
mit gutem gründe. Die erscheinung ist in allen drei epen so 
gewöhnlich, dass kleinere unterschiede in der häufigkeit ihres Vor- 
kommens schwerlich beachtung verdienen. Die Vorliebe für den 
gebrauch des umschreibenden ausdrucks verleugnet sich nirgends. 
Beiläufig mag erwähnt werden, dass zu der in § 6 erörterten 
eigentümlichkeit auf 100 Strophen in N 12,65 belege fallen, in 

G 11,37. 

Ist im übrigen nach dieser seite hin von statistischen an- 
gaben abzusehen, so verdient dafür ein anderer punkt berück- 
sichtigung : wohl haben unsere dichter die Umschreibung des 
pronomens alle gerne geübt, keineswegs aber mit gleichem glück 
und geschick. Bringt man die zahlreichen epitheta, die ihnen 
gemeinsam sind, in abrechnung und vergleicht die immer noch 
beträchtliche menge der übrig bleibenden, so findet man, dass 
namentlich N reich ist an trefflich gewählten und eindrucksvollen 
umschreibenden ausdrücken. In etwas ungünstigerem licht erscheint 
schon G. Freilich zeigt diese dichtung in der wähl der epitheta 
vielfach Übereinstimmung mit N gegenüber R: aber was ihr eigen- 
tümlich ist, hält den vergleich mit dem nicht aus, was sich 



— 43 — 

allein in N findet. Das gilt namentlich von reicher ausgeführten 
Umschreibungen wie der degen kilene unde guoi u. a. m. und von 
den so bezeichnenden substantivierten adjectiven wie der strite- 
müede^ der kdchgemuote u. dgl. . Davon bietet G im vergleich zu 
N recht wenig. Doch steht R in dieser beziehung noch erheblich 
hinter G zurück : wir sehen dort den dichter mit einem recht 
bc^scheidenen material wirtschaften ; die meisten epitheta haben 
etwas conventionelles, nur wenige geben zeugnis von eigener 
erfindungsgabe ^). 

Ein blick auf die tabelle zeigt, dass auch hinsichtlich der 
sonst in betracht kommenden stilistischen erscheinungen fast 
durchweg R den beiden andern dichtungen gegenüber eine ge- 
wisse armut verrät. Allein für die § 23 besprochene partielle 
vaiiation bietet R mehr beispiele als N und G : dagegen fehlt 
zu § 12 und 18 überhaupt jeder beleg ^), und auch sonst ist 
die ausbeute mehrfach auffallend gering. Es scheint demnach, 
als ob die eigenart der spielmännischen dichtung dem fortleben 
altepischer ausdrucks weise nicht allzu günstig gewesen wäre. 

Der vergleich zwischen N und G an der hand der tabelle 
fällt fast durchweg zu gunsten des ersteren aus. Dazu kommt 



*) Nur nebenbei ein paar worte über das Verhältnis der dichter zu 
einigen besonders nahe liegenden und bequemen epithetisl Während im ge- 
brauch der ausdrücke »man, vrouwe, helt, künic, küniginne« 
nennenswerte unterschiede nicht zu tage treten, zeigt R eine geringere neigung 
als N G für »degen, rtter, fürste,« bevorzugt dagegen »h^rre*. Nur 
in R kommt »wtgantc als umschreibender ausdruck zur Verwendung. Dass 
»juncfrouwe« und »mag et« besonders oft und mit vielerlei attibutiven 
Zusätzen in G vorkommen, »wip« sich vorzugsweise in N findet, erklärt 
sich leicht. 

•) Vgl. indes R 1652 ff, wo das Ermlitzer bruch stück folgendes über- 
liefert: 

der herzöge Friderich 

selve waphinter sich 

unde sachse siner gesellen 

(unde rief stnen seilen H). 
Ob E hier gegenüber II das ursprüngliche bewahrt hat, möchte sich schwer 
entscheiden lassen. Dagegen ist 149 1 f, wo dasselbe bruchstück ein bcispicl 
za fi 12 liefert, ohne zweifei in H das richtige bewahrt und in E dem reim 
za liebe geändert. 



— 44 — 

etwas anderes. Vielfach zeigt N sich auch, was die besondere 
beschaffenheit der einzelnen fälle angeht, der andern dichtung 
überlegen. In G verrät sich hier und da eine gewisse 
unbeholfenheit im ausdruck, von der N frei ist, wo die alten 
Stilmittel durchweg mit"] gewandtheit und in reicherer abwech- 
selung gehandhabt sind. Man vergleiche nur die beispiele 
in § 8, lof, 14 ff, 20, besonders aber in § 24 ff. Was vorhin 
vom gebrauch des epithetons gesagt war, steht ja mit der eben 
gemachten beobachtung in erwünschtem einklange. 

§29. Wilmanns betont gelegentlich ^), dass es bedenklich 
sei, sich in fragen der höheren kritik auf Verschiedenheiten in der 
darstellung zu berufen: er erinnert daran, »wie leicht ein urteil, 
dass auf Stileigentümlichkeit fusst, irre leitet«. Ich bin der gleichen 
meinung und kann es nur billigen, wenn der genannte gelehrte 
sich bei seinen Untersuchungen über Gudrun und Nibelungen- 
lied nur selten und mit vorsieht über stilistische unterschiede 
oder ähnlichkeiten auslässt. So erheben denn auch die nach- 
stehenden erörtenmgen nicht den anspruch, diese oder jene an- 
sieht über die enlstehung unserer epen zu stützen oder zu ent- 
kräften. Wer indes einmal aus andern gründen überzeugt ist, 
dass die gedichte zahlreiche interpolationen erfahren haben, für 
den wird es nicht uninteressant sein zu sehen, wie sich die spuren 
altgermanischen epischen stils über ältere teile und spätere zusätze 
verteilen. Das zu zeigen ist der einzige zweck der folgenden 
bemerkungen. 

Es versteht sich von selbst, dass nicht alle hypothesen be- 
rücksichtigt werden konnten : ich beschränke mich auf die theorien, 
die Lach mann für das Nibelungenlied, für die Gudrun 
Müllen ho ff begründet haben. Denn beide nehmen für die 
von ihnen ausgeschiedenen echten teile volle integrität in anspruch, 
während andere, wie beispielsweise Wilmanns ^j nicht be- 
haupten, dass die altern bestandteile von den interpolatorcn ganz 
unberührt geblieben seien. Die Rotherdichtung kommt hier über- 
haupt nicht in frage: die partien, die Edzardi als bestimmt 



*) Die Entwick. d. Kudrundichtung, s. 18. 

*) Beiträge zur Gesch. u. Erklär, d. NL, s. 11 f. 



— 45 -^ 

interpoliert bezeichnet, sind von zu geringem umfang, als dass 
sich ein vergleich zwischen ihnen und dem unzweifelhaft echten 
der mühe verlohnte. 

Für das Nibelungenlied war nicht nur zwischen echten 
teilen und interpolationen ein vergleich anzustellen, sondern auch 
zwischen den von Lach mann hergestellten liedern. Sowohl 
Mülienhoff nämlich ^), wie H o f f m a n n ^) und besonders 
Henning •**), dieser bisweilen unter bezugnahme auf H e i n z e 1 s 
abhandlung, haben unter den charakteristischen merkmalen, die 
sie bei betrachtung der Lachmannschen lieder aufFühren, auch 
manche stelle beigebracht, die man unter den von mir oben bei- 
gebrachten wiederfindet. Weitere bemerkungen zu den statistischen 
Übersichten unter II, in und IV der angehängten tabelle kann 
ich mir mit dem hinweis auf den vorigen paragraphen ersparen. 
Zu erwähnen ist indes noch, dass durch Lachmanns athetesen 
sich die zahl der belege für § 8 etwas erhöht, was natürlich bei 
der aufstellung der Übersicht beachtet ist *). Übrigens gilt ein 
gleiches von dem in § 1 9 besprochenen stilmittel : es hängt 
nämlich in einigen fallen lediglich von der Stellung ab, die man 
zu Lachmanns kritik einnimmt, ob man die altepische ein- 
fiihrung der einstweilen ungenannt bleibenden person anzuerkennen 
hat oder nicht. So ist es z. b. 1447 ff: wer im XIV. Lach- 
mannschen liede ein selbständiges und geschlossenes ganzes sieht, 
wird das beispiel gelten lassen. Erst 1464* erscheint Günthers 
name^ vorher 1447^ und 1457' nur vogt 7wn dem Eine und kif nee. 
157 1 wird von den Burgonden berichtet, dass sie auf der 
mark släfende einen man fanden. Behält man die folgende Strophe 
bei, so hat die stelle nichts befremdliches. Streicht man sie 
dagegen und lässt 1573 unmittelbar an 1571 anschliessen, so 
liegt die sache ganz ähnlich, wie an der § 19 schon angeführten 
stelle 152 f. (Vgl. auch 1582 und 1656 f: freilich ist hier das 
Verhältnis insofern etwas anders, als im ersten fall aus 



*} Zur Geschichte der Nibelunge Not, Braunschw. 1855. 
•j de Nibelungiadis altera parte, diss. Hai. 1871. 
•) Nibelungenstudien, QF 31. 

*) Es kommen nämlich zu den dort citierten stellen noch 404*, 676'. 
909*. II38*; dafür fällt 1847* weg. 



— 46 — 

Rüedegers worten unzweideutig hervorgeht, dass der heran- 
eilende degen Ekewart ist, an der andern stelle aber gleichfalls 
darüber, wer Hildebrands herr sei, bei der popularität der 
Dietrichssage kein Zweifel obwalten konnte). 

Werfen wir nunmehr einen blick auf die Zusammenstellung 
unter No. II der tabelle! Sie zeigt eine höchst unregelmässigc 
Verteilung, doch eine neue stütze für die annähme, dass die lieder 
von einer ganzen reihe von Verfassern herrühren, ist damit eben 
nicht gewonnen. Man vergleiche nur einmal lied VIII und IX 
mit einander : welcher unterschied, namentlich in der Verwendung 
des epithetons für das pronomen am schluss der Strophe! Und 
doch giebt hier der Urheber der liedertheorie selbst zu^ dass beide 
wohl von demselben Verfasser herrühren könnten, indem er aller- 
dings zugleich selbst auf gewisse stilistische differenzen hindeutet *). 
Wenn aber hier die abweichungen im stil nicht zur annähme 
zweier Verfasser zwingen, wozu dann in andern fällen grosses 
gewicht darauf legen? 

Eins aber geht aus der Übersicht hervor, was beachtet zu 
werden verdient: dass nämlich durchaus nicht gerade die lieder, 
für die besondere altertümlichkeit in anspruch genommen wird, 
an jenen altertümlichen ausdrucksformen besonders reich sind, 
wie man von vornherein doch erwarten sollte. Belehrend ist in 
dieser beziehung z. b. ein vergleich zwischen lied IV und VIII 
einerseits und der fortsetzung von lied XVII anderseits, deren 
form allerdings Lachmann selbst wohl zu schätzen wusste. 
Unter solchen umständen wird man sich kaum wundern können, 
wenn man sieht, wie im allgemeinen die von Lachmann als 
interpolationen ausgeschiedenen teile des gedichts stärker mit 
Überresten altepischer ausdrucksweise durchsetzt sind, als die 
lieder. Jedoch ist auch hier die differenz im einzelnen so gering, 
dass man darum den interpolatoren nicht nachsagen darf, sie 
hätten das, was die älteren dichter in weiser beschränkung übten, 
übertrieben (vgl. tabelle, no. III). 

Ein nicht sehr verschiedenes ergebnis liefert ein vergleich 



*) vgl. anmerkung zu 944, 



— 47 — 

zwischen den teilen der Gudrun, wie sie M ü 1 1 e n h o f f von 
einander gesondert hat (vgl. tab., no. IV) ^). 

Ist somit für die höhere kritik des Nibelungenliedes 
und der Gudrun aus diesen Untersuchungen kein gewinn erwachsen, 
so dürften sie wenigstens eins gezeigt haben : dass nämlich die 
vielgeschmähten interpolatoren nicht immer und nicht in allen 
beziehungen so unfähig sind, wie sie manchmal allerdings er- 
scheinen. Wenigstens darf man ihnen einige Vertrautheit mit den 
eigentümlichkeiten des stils altnationaler poesie nicht absprechen. 



VI. Die Versionen B* und C des Nibelungenliedes. 

Beiträge zur Textkritik. 

§ 30. Nach reiflicher erwägung entschied ich mich für den 
L.achm ann'schen text des Nib elungenepos als grundlage 
der vorliegenden Untersuchung. Nachdem diese nunmehr zu einem 
gewissen abschluss gebracht ist, scheint es angebracht, auch die 
Versionen B* und C einer prüfung zu unterziehen. ^) 

B* bietet an mehreren stellen einen umschreibenden aus- 
druck, wo in A das pronomen steht, so : 

368^ Sifrit dö balde ein scJialien gewan, 

von Stade er schieben vaste began A. 
von Stade begundc schieben der kreftige man B*. 
620* wan si im erzeigte ir libes meiste rschaft A. 
si erzeigete dem degne i. l. m. B*. 
Desgleichen in der schlusszeile der Strophen: 

333 so mäht du mit ir immer vroclichen leben A. 

so mahtu mit der schoinen i. v, l. B*. 
346 die üz denuelten nam si beide bi der haut A. 

die üz erwclten beide nam diu frouwe b. d. //. B*. 



*) Ein ähnliches Verhältnis scheint sich W i 1 m a n n s aus seiner Gudrun- 
kritik ergeben zu haben : a. a. o. 268. 

') Mit B bezeichne ich die St. G aller hs. allein, mit B* die gemeine 
lesart, wie sie Bartsch in seiner grossen ausgäbe bietet. Die stellen aus 
C sind nach Zarnckes ausgäbe ausgeschrieben. Der gleichmässigkeit wegen 
habe ich Lachmanns Zählung auch in diesem teile der abhandlung beibehalten. 



— 48 — 

400 bedenke dichs beztte : er (er)lät dich sin niht A. 

nu bed. dichs beztte: min herre erlät dich es niht B*. 

Welche lesart ist hier die ursprüngliche? In dreien von den 
gegebenen fällen könnte man annehmen, dass B* aus metrischen 
gründen änderte: aber die differenz in 620* und 400* lässt diese 
erklärung nicht zu. Anderseits begünstigt die thatsache, dass 
die hs. A keineswegs sorgfältig ist, die Vermutung, dass der 
Schreiber sich auch an diesen stellen flüchtigkeiten zu schulden 
kommen Hess. Ich trage kein bedenken, 620^. 400^, und 
auch 333* und 346* in der lesart von B* das ursprüngliche 
zu sehen (vielleicht ist auch 889* in B* richtig überliefert). 
368^ mag A der Vorzug gebühren, denn in dem fehlen der 
Senkungen kann man hier eine wohl angebrachte versmalerei sehen ^). 

Anders steht es mit solchen stellen, wo zwar B* den ge- 
brauch des epithetons für das pronomen vor A voraus hat, wo 
aber die lesarten beider texte auch im übrigen mehr oder weniger 
stark von einander abweichen. Hierher gehören 292^. 324"*. 
401^. 503^ (nur in B). 370^. 41 2^ 614*. 682*. In diesen fällen 
die lesart von B* als die gefälligere und dem Sprachgebrauch des 
epos angemessenere auch für die ursprünglichere halten zu wollen, 
wäre unkritisch. 

Seltener hat umgekehrt A das epitheton, wo sich B* mit 
dem pronomen begnügt: vgl. 493^ ferner 934*. 1117** und zu 
141* B allein. 

Einschaltungen in die rede mit ausdrücklicher bezeichnung 
des sprechenden finden sich in B* abweichend von A 936^ und 

983*. 

An zwei stellen weist B* die in § 10 f. besprochene aus- 
drucksweise auf, wo auch A wohl das epitheton hat, aber in 



*) 333* nimmt auch K. Hoffmann, zur Textkr. d. Nib. (Abh. d. 
bayr. Ak. 1875, bd. XIII)^ anstoss an der lesart von A. Warum er hier wie 
368^ selbständig ändert, begreife ich nicht, da er sonst mehrfach ohne sclieii 
die lesart von B* aufnimmt. Uebrigens will ich nicht leugnen, dass auch an 
diesen stellen das epitheton nachträglich eingesetzt sein kann, wie es z. b. 
sicher 483* geschehen ist ; hier schreibt B anstatt der gewiss richtigen und 
auch von Bartsch aufgenommenen lesart in A metrisch falsch: >daz er 
milte wsere, daz tet der degen sc hin. Vgl. B zu 432^ 



• •• • 



• • 



*) S. ferner B zu 1596*—*, D zu 336*—*, Ih zu 1855 



:•• 



— 49 — 

minder aufiälliger weise, weil ,die^ in betracht kommenden sätze 

hier parataktisch sind: ' '"" /' 

1395' stvie gerne ich dicke scehe efu^ lj,jben tohter mtn, 

so ist leider mir ze verre des^'e^eien küneges wtp B* 

wie gerne /". d, s, d, l, t. mini 

so ist leider m. z, v, d, e. k, w, A?*/; 

. 1912* vriunty nert mir den bruoder i 'wir vliesen den 

degei/B\.^ 
*• • • • 
vriunt, nert mir den bruoder: wir Verliesen den^*߻gifL^k. 

* • • • 

Beide male möchte ich die lesart von B* bevorzugen. ^) •*.•• 

Auch 1811^""* scheint B* das ursprüngliche zu bieten (Vgl*. /»^ 

• • • • • 

§ 12): 

üf den bühurt komen sehs hundert degene 
der Dietriches recken B* 
Dietriches recken A. 

Für die § 13 behandelte erscheinung liefert B* einen neuen 

beleg 340*: 

daz sult ir Gunthere sa^en B* 
Stfrity daz soll du mir sagen A. 

Auch hinsichtlich der in § 14 ff besprochenen stilistischen 
form zeigen sich unterschiede zwischen beiden texten : 

774* si mac stn gerne lougen, des s i hie verjehen hat A 

des Frünhilt (hie Ih) v. h, B* 
779' si was sS rieh des guotes, daz drizec küneges wip 
ez möhten niht erziugen, daz eine erziugte ir lip A 
ez möhten n. erziugen j daz tele Kriemhilde lip B* 
788* hat er sic/is geriiemet, ez get im wcerlich an den Itp A 

ez gH an Sifrides Itp B* 
1054* war ir von stme rate leide niht getan ^ 

sd mäht er vreveliche dike sin zuo ir gegän A. 

zuo Kriemhilde gän B* 
774*, 788* und 1054* giebt B* sicher das richtige: wie jemand 
dazu hätte kommen sollen, an diesen stellen zu ändern, ist uner- 
findlich, das umgekehrte dagegen erklärt sich leicht daraus, dass 
B* das ungewöhnlichere bietet. 779* wird B* geändert haben, 



»—4 

■ 

4 



_ so — 

um die Wiederholung des verbums zu vermeiden *)* Zu ver- 
gleichen sind noch 301^""^ ütKi 526* wo beide texte erheblicher 
von einander abweichen^»^ -ybn den in § 14 fF angeführten stellen 
fallen für B* weg an5*^> 1596^-^ (i6ia^-«.) 

Anticipatiqn des begriffs durch ein pronomen hat B* mehr- 
fach abweichend ^"J^öh A: 

6 2 *i\ daz" st des nie wart innen, diu (vil) tdeit kiinegtn^^ 
daz es da nie wart innen diu edel k, A. 
• ^ Wf *• ^ ^ mugen bekennen ick und die kirren min A 
, *•:"-" da In wir mügen bekennen^ ick u. d, h, m* B* 
\ *S6* noch 973^ i297**~*. 1809^ 1815^ 2024*; femer offen- 
: "bar falsch 580^—* und 2242*"* nur in Bb, 1195^ nur in B. 
Umgekehrt fehlt das votau%eschickte pronomen in B* 130^"^ 
(Idh = A), 2 12^"» (Db = A)> 1009» (D t=r= A). Vgl. auch 
155 1*""* und 1798^""^: an letzterer sielte hat B sicher geändert. 
Ob man berechtigt ist, an den zuerst citierten stellen flüchtig- 
keitsfehler in A anzunehmen, ist fraglich: der stellen sind nicht 
wenige, wo dieser gebrauch des pronomens nur in einer einzigen 
hs. begegnet und dadurch das metrum in Unordnung gebracht wird ^). 



*) Nach stärkerer Interpunktion hat B* 377* den namen, wo in A das 
pronomen steht: ebenso mit weitergehenden änderungen noch 1922* und — 
doch hier nur B — ii95*. Somit hat B* im ganzen an 8 resp. 9 stellen 
diesen gebrauch vor A voraus; die 3 oben angefdfarten stellen mit umge- 
kehrtem Verhältnis sind dagegen zu verrechnen, so dass nur ein geringes plus 
für B* verbliebe. Daraus erhellt, wie unbegründet die behauptung ist, dass 
die Setzung des eigennamens für das pronomen, »in allgemein epischer weisec 
zu den charakteristischen formellen eigentümlichkeiteu des textes B* gehöre 
(v. Muth, Einleit. in das NL, s. 124). 

*) S. die handschriftliche Überlieferung von A 863'. So lassen sich 
rund 30 stellen atiffthreTi, wo Ih abweichend von AB*, meist allein, zuweilen 
mit andern hss. im «inklang, ein vorgreifendes pronomen überliefert. Vgl. 
auch B a rtsch, Unter s. über d. NL s. 275 und Ge rm ania X, s. 5» : 
indes geht dieser entschieden zu weit, wenn er die andeutung des subjects oder 
Objekts durch das vorangeschickte pronomen in der Gudrun fast überall auf 
rechnung des Schreibers der hs. setzen will. Die herausgeber verfahren nicht 
consequent. Mit gutem gründe bähen sie das pronomen getilgt z. b. G 58*. 
417*—*. 760* 102 1^ Dagegen braucht es 224*-*. 755*—*. 883'. 1125*— *. 
1220*—^. 1410*—* nicht erst vom Schreiber ei ugeflickt zu sein, hätte hier also 
so gut stehen bleiben können, wie sonst so oft. 



— 5» — 

Wie beliebt diese manier gera^Jek in späterer zeit wieder geworden 
ist, zeigt die Umarbeitung des iNibdüngenliedes in der Piaristen- 
handschrift. ''/ ., 

Von den in § i8 aufgeführten stellen kommt für B* in 
Wegfall i554^~*, wo indes die lesart von IWd zu beachten ist, 

anderseits wird 86i*~* mit B* zu lesen sein': ,- . ,, 

» ^» .. 

dö was nu üf gesoumet stn edel pirsgewdnii 

« 

sin und der gesellen. 
Bartsch hat sich hier sonderbarer weise von der Überlieferung 
entfernt. ^) '-':'" , 

Abgetrennte apposition haben wir in B* 878^'"*: ' ' 

sin Her daz irste, daz er ze tode sluoc, 
was ein siarkez halpswuoL A. 
sin Her was daz erste, daz er ze tode sltwc, 
ein V il starkez halpfuL B* 
1808^ Da was ouch der mar schale mit den knehten komen: 
Dancwart der vil küene Hete zuo im genomen A. 
Do was 0, d, m, m. d^ k^ komen, 
Dancwart d, v. küene: der het zuo zim gen. B* 
Hier bietet B* vielleicht das ursprüngliche, sicher 
2025* die bhiotvarwen helde und oiuh Jiamaschvar 

träten uz dem hüse, die drie künege her B* 

und die dri kl hir A. 
Dass nämlich die noch am leben gebliebenen Burgonden 
nicht alle aus dem hause gekommen sein können, wie man nach 
der lesart von A annehmen müsste, ist schon an und für sich 
durch die lokalen Verhältnisse bedingt, Dazu kommt, dass erst, 
wenn wir uns die drei fürsten allein vor der thür stehend denken, 
Kriemhildens worte (203 7) rechte bedeutung gewinnen. 
Auch hören wir sie allein im folgenden reden. Wenn Dancwart 
2044 in die Verhandlung eingreift, so muss ich dazu bemerken, 
dass ich die Strophe mit Lachmann für interpoliert halte. 

Von den in § 20 aus A beigebrachten stellen fehlen in B* 



*) Vgl. Ih zu 731*. 1119*— •. I596': in keinem dieser fälle finden 
sich merkmale willkürlicher änderung. 

') Hier ist kaum zu bezweifeln, dass B* eben durch die ungewöhnliche 



— 5* — 

Zu § 21 bietet B* einejr neiien beleg 

2^ Ez wuohs in Bur^onden *ein schosne magedtn, 

• * • 
daz in allen Icmdttt yiiht schceners mohte stn. 

Kriemhilt t(fä^ *ij ^geheizen AD. 

Krietnh\lf,*^i$hetzen B* 

Sicher hat B^*Jilöf* die fassung des Originals bewahrt, wie um- 
gekehrt A^ 1 2)^9*. ^) 

J^e Variation der aussage in 593*, 1605^ und 2251* findet 
• *• *- -* 
sich. irf'B* nicht mehr. 

V. • *§ 31- Wenden wir uns nunmehr der recension C zu! Ich 
• *!,!'• beabsichtige natürlich nicht, jede stelle anzuführen, an der C für 
*••: • sich allein eine der oben behandelten stilistischen eigentümlichkeiten 
aufweist oder umgekehrt gegenüber A allein oder AB* das gewöhn- 
liche bietet. Denn oft sind beide Versionen so grundverschieden, 
dass für die ursprünglichkeit der einen oder andern Überlieferung 
durch ihr altertümlicheres colorit nichts bewiesen wird. Am aller- 
wenigsten können stellen berücksichtigt werden, an denen die 
differenz zwischen Not und L i e t sich auf ganze Strophen oder 
strophencomplexe ausdehnt. Jedoch will ich wenigstens kurz be- 
merken, dass im ganzen C kaum ärmer an reliquien altepischen 
Stils ist als AB* : manche von den in früheren kapiteln aufgeführten 
stellen sucht man wohl vergeblich in C, doch wird der mangel 
durchweg durch neue belege ausgeglichen. Von den plusstrophen 
in C sehe ich vorläufig noch ab : sie sollen, wie die von B*, 
später einer besondern prüfung unterzogen werden. 

Ich bringe zuerst sämtliche stellen bei, an denen in C das 
epitheton, in AB* das pronomen steht, während im übrigen leid- 
liche Übereinstimmung herrscht. 

532* zuo Kriemhilde dan 

körnen die vil schone AB* 

zuo Kriemhilde stän 
komen die vil schcenen C. 



ausdrucksweise veranlasst wurde, eine Umstellung vorzunehmen : 1841* stellt 
die lis. B allein in ähnlicher weise um und schädigt dadurch den versbau. 
Vgl. übrigens noch die lesarten von Ih zu 1416*-', von D zu 1968*—'. 

*) Vgl. Rieger, zur krit. d, Nib.» s. 76, 



— 53 — 

Das epitheton scheint ursprünglich zu sein: ich lege zwar wenig 
gewicht darauf, dass Idh scheinen überliefern, halte aber für 
entscheidend, dass A schane schreibt. 

loio* do truoc man si von dannen AB*. 
man truoc die frowen dannen C. 
Hier hat der bearbeiter offenbar anstoss daran genommen, dass 
zwei unmittelbar neben einander stehende verse mit do begannen, 
und deshalb geändert. Das gleiche Verhältnis ergiebt sich für 

137 1* daz enwesse nieman, unz daz si saeh 

Hagene von Tronje ze Gunthere do sprach A. 
Hagene der kiiene: der helt zuo Gunth, sprach C. 
Durch die änderung wurde in diesem fall die construction äno 
xotvov bequem beseitigt, obenein auch der rhythmus geglättet 
(vgl. die lesart von 1). 
2255^ do er schneie er dirre mcere: des gie im wcerUchefi not AB* 

des gie dem recken gröziu not C. 
Auch hier hat wohl C geändert, um die Senkungen auszu- 
füllen. Sicher unrichtig hat C das epitheton statt des pronomens 
132*: die Wiederholung desselben ausdrucks wirkt an dieser stelle 
so unangenehm, dass auch Z a r n c k e die lesart von AB* in den 
text gesetzt hat. Mit ausnähme eines einzigen bieten also die 
wenigen falle, die wir zur vergleich ung heranziehen durften, keine 
gewähr, dass etwa in C die ursprüngliche fassung vorliege. Und 
so giebt es denn auch umgekehrt eine reihe von stellen, wo AB* 
epitheton oder namen haben, C dagegen, ohne sonst erheblich 
abzuweichen, das pronomen, wie 81*. 259^. 522*. 612^. 892*. 
1177*. 1772*. 1992*. 

Im folgenden gebe ich, da es sich um seltener erscheinende 
ausdrucksformen handelt, die belege vollständig, also auch solche 
stellen, wo C von AB* stärker abweicht. Die fälle dagegen, in 
denen eine ursprünglich vorhandene stilistische eigentümlichkeit 
sich in C nicht mehr findet, glaubte ich unberücksichtigtlassen zu sollen. 
Einschaltungen in die directe rede bringt der Verfasser von C selb- 
ständig an 1659'^ und 2090^ an der letzten stelle wieder wie an 
der oben angeführten 132* mit unangenehmer Wiederholung 12089* 

der vilgetriiue recke , . . sprach sprach der getriwe man^) S. ferner 

2309*. 



*) Vgl. Rieger, zur krit. d, Nib., s. 48. 



— 54 — 

Za § lof bietet C folgende neuen b^^e: 
506* Dd der vil küene recke uritmf nm im gemam 
uni auch von PrünhUde, der ritter l^bes&m 
reit in gröten freudcn ze Worwuze an den Rhi, 
1346* im darfUt iwer frinnde nie so gerne sehn, 

als ich hie gescehi der edeln Voten hint.^) 
1658^ I}S si von Tronege Ifagene rerrest kamen sach, 
zua den ^nen herren der helt vil balde sprach C. 

gezagenBch er sprach AB*. 
Hier mag wieder einmal C dem original näher stehen, denn 
es ist durchaus unerfindlich^ warum der bearbeiter gerade hier 
geändert haben sollte, wenn ihm die lesart von AH* vorlag ; bringt 
er doch auch sonst gern Aie zuht in den text: vgl. 65*. 1054'. 
1169*. 1380*. Ähnlich ist über 398*^* zu urteilen: 
Do diu küneginne Stfriden sach, 
zua dem gaste si zühtecUchen sprach A. 
nu muget ir gerne heeren, wie diu magei sprach B*. 
diu magt zühUcUche zua dem recken sprach C. 
Wenigstens liegt die Vermutung nahe, dass im original, wie 
in C, beide personen im nachsatz durch epitheta bezeichnet waren: 
dann erklärt es sich leicht, wie sowohl A als B* je eines dieser 
unnötigen epitheta^ aber nicht dasselbe, durch das pronomen er- 
setzten. Möglich wäre aber auch, dass A und C änderten,» ^um 
die abgebrauchte spielmannsformel, wie sie sich in B* erhalten 
hat, zu vermeiden. 

Zu § 12 giebt C ein neues beispiel: 
1027"^ die wtle sol tu dienen von recken manic helet guot. 
In C allein finden sich folgende belege für die § 14 ff. 
besprochene ausdrucksweise: 

429* dd er vemam diu mcere^ der künec iroesten sich began, 
668^ daz si ir vremde wären, daz was ir harte leit AB*. 

daz si ir so vremde wären, daz was der fr wen leit C. 
869* man fuort auch mit in dan 

vil der edeln sptse, die di helede solden kän. 
Ferner io54^~*. iioi*. 1554^""^; endlich auch 69 2 ^""^ wo A 
ein beispiel für § 17 liefert. 



^) Aber A hat hier abgetreimte af^osition. 



— SS — 

Vorwegnahme eines begriffs durch das pronömen in C an 
iblgenden stellen neu: 127*""^ 326^ 422^""^ 435* (Dlbh). 63I'-"^ 
691^-^ 1057^ 1104*-^ ii6i^-^ 1255^-^ 1521^-^ 1756^-^ 
1974^ 2145*""^ 2236^""*. Ich verweise übrigens auf das, was 
ich zum vorigen § über solche dififerenzen bemerkt habe» und will 
nur hinzufügen, dass auch C gelegentlich durch die einsetzung 
des pronomens wider die metrischen gesetze verstösst (vgl. 2244'). 

Wiederaufnahme des begriffe unter hinzufügung eines erwei- 
ternden Zusatzes nur in C und wahrscheinlich richtig: 
1592^ die sehse mit ir küssen, ir uni diu tohter min, 

und diu i. mtn AB*, 

Für die form der abgetrennten apposition sind folgende in 
C allein sich findenden belege zu notieren : *) 

339^ D ancwart st der vierde, der vil kuene man C. 
der vierde daz st Danc7vart, d. v. k, m, AB*. 
1464* D ancw art was ir marschak, der helt von Bur, 

gonden lant C. 
ir marschak was Dancwart, d. h, v. B, /. AB*. 

Beidemal mag C die Wortstellung des Originals bewahrt 
haben. Anders steht es bei folgenden stellen: 195®'"*. 743*^'. 

1227^ 1302*-^ 1584^- ^ 1596^-^^ 1689*^^ 1942^ 2220*-^^) 

C hat hier* überall die abgetrennte apposition, weicht aber auch 
im übrigen erheblich von AB* ab.*) 

Variation der aussage weist C abweichend von AB* auf: 
1458^ Ich hän iuch vil gewamet und ouch genuoc gemant. 
389' diu porte stuont entslozzen, diu burc üf getan C. 
diu burc was entskzzen, vil wtte üf getan AB*. 



*) Ich glaube, ihre zahl ist gross genug — und dabei sind die dem 
begriff unmittelbar folgenden appositionen nicht einmal in anschlag gebracht — 
um die ansieht Lilien crons (Die Nib. — hs. C, s. 168 flf), dass C eine 
abneigung gegen appositionale constructionen an den tag lege, ungerechtfertigt 
erscheinen zu lassen. Gegen seine behauptung wenden sich mit recht auch 
Bartsch, Unters, s. 275, und Pasch, Zs. f. d. Gymn. 1864, s. 114. 

*) Doch stimmt hier die vulgmta abgesehen von B selbst im ganzen zu C. 

') Die stelle gehört freilich nur hierher, wenn hinter vers 3 ein punkt 
gesetzt wird: anders interpungiert Zarncke (349,2* seiner ausgäbe). 

^) Vg^. auch hs.a zu 1235' und 2000^. 



- 56 - 

C scheint in dem zuletzt angeführten falle die ursprüngliche lesart 
zubieten.^) Vgl. femer noch 1222^^. 13902b =**>. i4772»=2b^ 

2 277^»'"^*>. 

Es bleiben noch einige stellen zur besprechung übrig, wo 
sich die umarbeitende thätigkeit des Verfassers von C recht deut- 
lich verrät. So muss ihm die § 13 erörterte ausdrucksweise nicht 
sonderlich gefallen haben: an mehreren stellen (249*. 487*. 1020*. 
1801^. 2095*) hat er sie durch änderungen weggeschafft, nirgends 
bedient er sich ihrer selbständig (vgl. Bartsch, Untersuch, s. 300). 

Beachtung verdient endlich die lesart von C zu 2152 f: es 
ist jene in § 1 9 angeführte stelle, wo G e r n o t in altertümlicher 
weise in die handlung eintritt, ehe wir seinen namen erfahren. 
C macht es seinem leser leichter: durch eine änderung wird jeder 
möglichkeit eines missverständnisses vorgebeugt, damit aber auch 
das charakteristische des Stils verwischt. 

§ 3 2. Es erübrigt noch, auch die plusstrophen in B* 
und C einer betrachtung zu unterziehen. Auch ihnen ist die Vor- 
liebe für die Umschreibung des pronomens nach stärkerer inter- 
punktion und insbesondere am strophenschluss eigen. Der beispiele 
dafür braucht es nicht, da sie überall und auch dem ersten blick 
sich zeigen. Dagegen will ich die belege für die minder häufigen 
erscheinungen auch hier vollständig beibringen. 

In den plusstrophen von B* wird am schluss der directep 
rede die sprechende person noch einmal ausdrücklich bezeichnet 
an folgenden stellen: 348** (i/i^ sprach diu juncvrouwe . , ,) sprach 
diu wünneclichiu meit\ 44 2 ^^^ (er sprach . . .) sprach der Günther es 
man; 499^ (er sprach . . ,) sprach der degen guot.'^) 

Der name steht für das pronomen der ersten person 348^^ : 
daz 7i>(ere Kriemhilde leit. 

Im Vordersatz pronomen, im nachsatz umschreibender aus- 
druck an folgenden stellen: 



*) Auch Rieger, zur krit. d. N., s. 37, zieht die lesart von C vor 
und verweist auf den formelhaften anklang an 1874*. 

*) Zu § lo-' 12 sind keine belege zu verzeichnen. Doch mag bemerkt 
werden, dass 358 '^— ®, in einer Strophe, die B* mit C gemein hat, letztere 
reccnsion schreibt: d6 sagte man den recken, in waeren nu bereit 
...irzierltchenkleit,als6 diehelde (sida B*) g e r t e n. 



— 57 — 

383* er habt im da M ^oume daz zierUche marc, 
^^ unz der knnic Günther in den satel ^esaz. 

385* si körnen zuo dem lande 

mit spem niuivesliffen, mit su>erten wol getan, 

diu üf die sporn giengen den w cetlic hen man. 

Zu § 17 und 18 liefern die mehrstrophen von B* je ein 
beispiel : 

1614^ wir sin [hie] eilende, [beide] ich und min wtp. 
io2^' nu sich, wie degenliche er stet in strttes vär, 

er und die stnen degene , der vil küene man. 

Abgetrennte apposition findet sich einmal, abgetrenntes 
attribut zweimal : 

583^ daz volc was im entwichen, v rouwen unde man, 
385^ diu (swert) fuorten die vil küenen, scharpf unde breit 
417^"^ einen wäfenroc si truoCj 

edel unde riche. ^) 

Variation der aussage 338^^^^ wir suln in recken wise varn 
zetal den Rin=^selbe vier de degene varn wir an den se ; 429^ nu hil 
du mine liste=^dine soltu niemen sagen. 

Aus den Strophen, die nur C hat, ist folgendes zu bemerken. 
Zu § I o f sind drei belege zu verzeichnen : 
62 2 ^"^ (=io2,3*Z) doch vorhier michels mere den Sivrides tot, 

wände si het dem degene den lip nach benomen, 
1082^^ (== 1 7 4 , 3 ^Z) dar zoch sich diu w itew e von ir kinden sit, 
da noch diu fr ow e here begrabn in eime sarke lit. 
In der Strophe, die der Überarbeiter für 1849 A eingesetzt 
hat, macht er sich desselben fehlers schuldig, den wir auch sonst 
schon an ihm rügen mussten: 

( 2 9 3 , 2 ^ Z) JDo diefürsten gesezzen wären iiberal, 

dd wart in den sal 
getragen zuo den für st en daz Ezeln kint. 
1408^ (=2 24,i^Z) nennt sich der redende selbst: das 
widerspricht der am schluss des vorigen § geäusserten ansieht 



*) 53 1*—' liest C abweichend von B* : 

V il schoen unde starc 
brähte m an den vrouw e n vil wünneclichiu marc. 



- 68 - 

nur scheinbar, .depn (Jie wojte deist J^^fnoides räi «^^d aus 1409* 
herübergenommeo : dÄftir ist ^pp .ao die§.ef stelle siejbst die all- 
tägliche ausdrucks weise eingetreten. 

Zu § 14 f yeijj^leiclh^ man die beiden $telle;i 475^2 (=78,1^7) 

und io8a^~"(:>=i74.6«-*.Z). 

Vorangestelltes p.ronomen finden wir 
327* (=5o,3'Z) Dd si eines iages säzen, der künic unt sine man. 
Vgl. ^uch die lesart von Idh zu i2oi®(= 192,3^7). 

Auch hier bestätigt sich übrigens, was schon pben ausge- 
sprochen ward: dass nämlich C, was altertümlichkeit des stils 
angeht, im grossen und ganzen nicht hinter AB* zurücksteht. So 
begegnet in den plusstrophen verhältnismässig oft die form der 
abgetrennten apposition : 

1408^ (=2 24,i*Z) ich woide iu eine sptse den vollen immer 

geben, 
sniten in öl geb rouw en, 
1848® (=292,7 'Z) Der 7üiri der schuof den gesten den sedel 

überalf 
den hdhsten unt den besten. 
Vgl. ferner 942' (=i52.i»Z), 1082«^-« (=1 73,7z), 1082»-" (= 
i74,i*"~^Z). 1755*"* (=2 77,6*Z, doch hier anders interpungiert). 
An zwei stellen variiert der erste vers einer zusatzstrophe den 
schluss der vorhergehenden auch in AB* befindlichen, nämlich 
1114'^ (=i8o,i'Z^ und 2oq4* (=330,7 'Z). Ob hier der bearbeiter 
aus der not eine tugend machte, möge dahingestellt bleiben. 



Ich breche meine imtersuchungen hier ab. Dass der mhd. 
volksopik die Stilmittel der allitterationspoesie nicht ganz fremd 
geworden waren, hat sich ergeben. Wie kommt es nun, dass 
trot/dem der stil unserer epen so grundverschieden von dem des 
Heliand, des Beowulf, ja des Hildebrandsliedes ist: Diese frage 
winl sich wohl jedem aufdrängen. Den versuch, sie zu lösen, 
Inhalte ich mir liir spätere zeit vor. Dann wird sich zugleich 
jiolosionheit bieten, noch auf anderes näher einzugehen, was ich 
Uir jetzt teils nur olH?nhin gestreift, teils überhaupt nicht berührt 
habe. 



59 — 



Statisti^^elie UiberBicht. 

Es entfallen auf je loo Strophen an belegen 
zu §§ : 8 lof. 12 13 



8 10 f. 12 13 i4ff 17 18 20 23 24») 25») 26*) § 6 

in Rother 0,6 1,6 — 0,1 1,4 1,1 — 1,6 j,7 1,0 0,3 0,7 

„ Nibelungenlied 1,7 2,7 0,8 i.i 3,3 2,9 0,4 2,1 1,2 1,6 0,5 0,9 

0,7 1,8 0,5 0,7 3,2 2,3 0,6 1,4 0,9 1,3 0,4 1,0 



»» 



Gudrun 



II. 



1 lied I (Lachmann) 


3.6 


1,8 







1,8 


7.1 


— 


1,8 


3,6 


3,6 


• 


1.8 


7,1 


» II 


1.3 


3,9 


2,6 


3,9 


2,6 






— 


— 


3.9 





2,6 


10,4 


• III 


— 


3,6 


— 


— 





3,6 


— 


3.6 


•,« 


1.8 


5>4 


— 


12.5 


» IV 


2,4 


4,8 


— 


— 


?,4 


4.8 


— 


2.4 


— • 


— 


■r- 


2,4 


11,9 


» IV fortsetz. 


— 


4,3 




■: — 


1,4 


1.4 


— 


5.7 


1.4 


— 




— 


11,4 


» V 


» 




— 




7,1 




— 


7,1 


— 


4.8 





— 


14,3 


• VI 


3,2 


1.6 


1.6 


0,8 


1,6 


— 


2,4 


0,8 




1,6 





— 


9.5 


» VII 


2,0 


2,0 


— 


6,1 


6,1 


— 


2,0 


— 


— 


— 





— 


10,2 


> VIII 


5.4 


— 


— 





3,6 


7.1 


— 


1.8 


— 







',8 


23,2 


> IX 


— 


2,0 


— 




8,2 


4,1 


rr- 


.2,0 


4.1 


2,0 








8,2 


> X 


2,4 


2,4 




4.8 


4,8 







2,4 


— 


— 


2,4 





I4f3 


> XI 


3.3 


3.3 




I.I 


2,2 


1,1 




2,2 


2,2 


— 




1,1 


11,0 


» XI fortsetz. 


3,6 


7,1 




— 


3,6 











— 


— 


3,6 


7.1 


» XII 


— 


5.7 


— 


— 


— 


— 





5.7 


2,8 








13,5 


• XIII 






1,8 


3,6 


3.6 


5.4 




— 


— 


1,8 






14,3 


> XIV 


1,6 


1,6 




— 


1.6 


4.8 





1,6 


>,6 


— 




1.6 


II, I 


> XV 


1.3 


3.9 


— 


— 


3'9 


1,3 





1.3 


2,6 


2,6 


— 


2,6 


11,7 


. XVI 


— 


1.8 


1,8 


',8 


5,4 


1,8 





5,4 


1,8 


— 


3,6 


— 


14.3 


* XVII 


— 




>,8 


',8 


5,4 


1,8 




— 


3,6 


',8 




1.8 


5,4 


» XVII fortsitz. 


1,8 


3.6 


1,8 


S.4 


3,6 


3,6 





1,8 


1,8 




3,6 


1,8 


21,4 


' > XVIII 




— 


3.6 


»,8 


— 


1,8 





1,8 





3,6 





— 


16,1 


i • XIX 




1,6 





1,6 


3.2 


— 





3,2 


3.2 


3,2 





— 


23.8 


1 > XX 


1.7 


3.5 


— 


0,7 


3.5 


7.3 


0,3 


0,7 


0,7 


',0 


0,3 


0,7 


9,1 



m. 

1 echten teilen von N 1,6 2,6 0,6 1.3 3,1 3,1 0,3 1,9 1,3 1,4 0,6 0,9 12,1 
i Interpolationen 1,8 3,0 1,1 0,7 3,6 2,5 0,6 2,6 i,i 1,9 0,4 1,0 13,9 



IV. 

4n echten teilen v. G. 1,2 2,2 0,5 1,0 2,7 2,7 0,7 0.7 0,7 0,7 0,2 0,7 9,2 
1 Interpolationen 0,5 1,7 0,5 0,5 3,3 2,2 0,5 1,6 1,0 1,5 0,4 1,1 12,1 



•) unter einrechnung einiger stellen aus § 27. 



Lebenslauf. 



Ich, Georg Karsten Julius Schmedes, bin am 27. Januar 
1864 in Bremen };eboren. Meine eitern wurden mir früh durch 
den tod entrissen. Ich besuchte das gymnasium meiner Vater- 
stadt und wurde ostern 1883 mit dem Kengnis der reife entlassen, 
Ks ostem 1888 studierte ich in München, Berlin und Kiel deut- 
sche und klassische philologie, genügte am letztgenannten orte 
vom I, April 1889 bis 1890 meiner dienstpflicht und bestand 
am 2 1. Juni 1890 ebendaselbst das examen pro facultate do- 
cendi. Ostern 1891 — 92 war ich mitghed des pädagogischen 
Seminars am Königl. Christianeum /.u Altena und leistete sodann 
mein probejahr am Königl. gymnasimu in Kiel ab. An derselben 
anstalt bin ich auch jet/.t noch beschäftigt. 

Für vielfache anregung und belehrung fühle ich mich zu 
besonderm dank den herren proff. Vogt (jetzt in Breslau) , Ulass 
(jetzt in Halle) und Erdmann verpflichtet. 



Tliesen. 



Das licd Walthcrs Owe, hw^cluz singen etc. ist sicher gegen 
Neidhart gerichtet. 

Parcival 420, 26 ff und 42 1, 6 fl" gehen nicht auf Nib. 1408, 
5 ff C zurück. An der ersten stelle ist zu lesen ich tick S 
•ils RümoU lifHi iiinfc Guiithfre riet elc. 

Die erwähnung der schlacht auf dem Wiil|)ensandc in Lam- 
prechts Alexander führt auf eine sonst unbekannte form der 
Tlihk-Oudrundichtung. 

Ks ist zu wünschen, dass das Englische an den gymnasien 
als obligatorischer lehrgegenstand eingeführt werde.